Freitag, 1. September 2017

VII


Vor den beiden lag ein großer See. Die sich ankündigende tief orangene Abendsonne zeichnete Bäume, Sträucher und die tief blaue Reflexion des halb -nacht Himmels auf dessen Oberfläche. Der See war spiegelgleich, eben und kaum eine Welle malte sich auf ihm ab. Fast schon zu glatt, wie von Menschenhand gemacht. Als hätte man alles, das Unruhe auf diese Oberfläche bringen könne versiegelt und getötet. Das Bild stand also im Widerspruch zwischen Lebendigkeit, naturbelassener Schönheit und gewollter, menschlicher Perfektion, als wäre es in Wirklichkeit tot. Und diese menschliche Perfektion, diese spiegelglatte Oberfläche wurde jetzt durchbrochen, als die beiden sich auszogen, in den See sprangen und sofort heftige Wellen in diese endlose Ruhe brachten, das Wasser heftig aufwühlten und wiederbelebten, als erwachte es aus einem endlosen Schlaf. Vor ihrer Nacktheit sich schämend blickten sie sich lange nicht an, blieben Unterwasser, schwammen und starrten um sich herum, künstlich ihre Blick in die Weite schweifen lassend. Bis sie vorsichtig und schüchtern lächelnd aber mit ihren Blicken gierig die bloße Haut des jeweils anderen verschlungen und in sich aufnahmen. Sie schwammen ein Stück, kamen sich näher, berührten sich, - trieben endlich die Wassermassen auseinander um ihre Körper aneinander zu pressen. Sie lachten, lösten sich voneinander, bespritzten sich mit Wasser. Und beide spürten den bebenden Widerspruch zwischen Leben, Lust und Liebe gegen die Angst, die beide tief in sich spürten, das unüberwindbare Bewusstsein der Grenze, die sie überschritten hatten. Und am Ende trieben sie beide wie zwei Tote im Wasser. Ja, man hätte sie für Leichen gehalten und für Leichen halten wollen, trotz und gerade weil sich sich in diesem Moment so lebendig fühlten, wie noch nie.

1 Kommentar:

  1. Mir gefällt dein Schreibstil, hört sich das too cliché an? Ich hoffe nicht, aber ich meine es so. Fakt ist doch, dass jeder einen anderen Schreibstil hat und deiner gefällt mir besonders. Es bereitet mir immer wieder Freude neue Blogs zu entdecken, die Blogger ein wenig aufmischen.

    Nun gut, möge der heutige Tag dich mit Kaffee und Katzen segnen. Pass auf dich auf.


    Liebe Grüße

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