Sonntag, 10. September 2017

XI

Mittlerweile sind wir zwei nicht mehr alleine. Wir sind viele geworden. Wir sitzen um ein kleines Lagerfeuer, die Flammen wärmen die um uns herum und sich immer wieder an uns heranschleichende Kälte auf, lassen uns gegenseitig uns und unsere Gesichter erkennen. Man kann abwechselnd und durcheinander unsere Münder auf und zu gehen sehen, während wir diskutieren und jeder Beitragen will. Dazu trinken wir Rotwein. Ich liege, meinen Kopf auf den kalten Boden gelegt und starre in die Tiefe des Sternenhimmels. Man kann die Milchstraße sehen, einzelne Sternbilder erkenne ich wieder, aber das interessiert mich nicht. Es ist das ganze Bild und während ich mich ganz in diesem Bild verliere, komme ich mir so unendlich klein vor; lenke ich meinen Verstand dann wieder auf die gesprochenen, manchmal halb geflüsterten Worte, werde ich mir wieder meiner Selbst und dem Leben bewusst. Es ist eine feine Ambivalenz. Hin und wieder ertaste ich ihre Hand und ohne uns anzuschauen fahren wir gegenseitig über unsere Haut, und fühlen die uns längst bekannten Unebenheiten. Das Feuer, die uns umschließende Kälte, der Sternenhimmel, ihre Berührungen. Ich lächele, als ich mir vorstelle das uns am Feuer sitzend und all diese Einzelheiten beobachtend jemand zuschaut. Mir ist nicht bewusst, dass diese von außen schauenden Betrachter nicht weit entfernt stehen. Aber sie sehen nicht die Einzelheiten, die ich sehe und kommen langsam näher. Wie immer dunkel gekleidet, mit Helmen, Schutzweste und Schlagstock. Doch wir sehen es nicht und lachen noch ein paar Sekunden vor uns hin.

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