Es ist
dunkel. Langsam hörst du das Geräusch der Ursache, dann die
Wirkung: langsam aufhellendes Licht, dass im Spot die Mitte der Bühne
halbhell erleuchtet. Dann Musik. Heftige Klaviertöne, überwältigen
langsam deine Gedanken, schmiegen sich an dich, lassen dich wieder
los, wie in einem Tanz. Ziehen dich hoch von deinem Stuhl, packen
dich an deiner linken Schulter, ziehen an ihr, dass du dich drehst.
Ein Akkord greift deine rechte Hand, der nächste zieht dich wieder
ran, die Melodie streichelt über deinen Kopf hinweg, du neigst
deinen Kopf nach hinten um mit deinem Blick ihr zu folgen. Ihr seid
in diesem Tanz gefangen, die Musik gibt den Takt vor, sie führt
dich, dreht dich, überwältigt dich, du bist frei, du schreist und
lachst. Du weinst als tiefe Töne sich im Melodieverlauf zu
Mollklängen verbinden, du lachst glücklich, als die Musik deine
Trauer davon spült, du fühlst Katharsis. Die Musik führt dich
langsam zu Boden, dann wieder hinauf, und zurück auf deinen Stuhl,
wo du schwer atmend sitzen bleibst. Auf der Bühne im hellgrünen
Licht hat Sie begonnen zu tanzen. Zunächst nur mit ihren kleinen
Füßen, das Kleid mit zwei zärtlichen Händen leicht angehoben. Es
ist weiß. Das spielt eine Rolle. Dann beginnt sie sich zu drehen,
springt in die Höhe, der Tanz beginnt, wie der deinige. Sie lacht,
sie weint, die stöhnt, von der Musik geführt, im Raum hin und her
geworfen. Nur diesmal darfst du zusehen, dein Blick zieht immer mehr
in sich hinein, nimmt alles auf, schaut unter ihr Kleid, als es vom
Wind hochgewirbelt wird. Du verlierst dich in ihren Augen, ihr
braunes Haar umspielt dich, kitzelt dich, ihre Hände berühren dich.
Bei ihrem nächsten Lachen lachst du mit. Sie springt in die Höhe,
kommt leichtfüßig wieder auf, bei ihrem nächsten Weinen, weinst du
mit. Sie zieht ihr Kleid absichtlich etwas höher, als es notwendig
wäre, um nicht darauf zutreten als sie tänzelnd einige Schritte
macht um sich wieder zu drehen, bei ihrem nächsten Stöhnen, stöhnst
du mit. - Du machst die Musik nicht aus, als du auf die Bühne
steigst, um das Kitzeln ihrer Haare und die Berührung ihrer Hände
wahr zu machen. Du umfasst sie, ziehst sie zu dir und ihr Kleid
langsam aus, küsst sie. Du weiß nicht, ob sie es will, aber die
Musik scheint es von dir zu wollen. Du weißt in dir, dass du es
bist, dein Verlangen, deine Liebe, dein Trieb. Jetzt hat ihr weißes
Kleid rote Flecken, es hat eine Rolle gespielt und du gehst zufrieden
schlafen.
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