Gruselig
tropft dicker Regen gegen die Glasscheibe eines Dachfensters, welches
das letzte schwache Tageslicht in ein kleines Zimmer gleiten lässt.
Das Zimmer steht leer, bis auf einen hölzernen Schreibtisch, darauf
einige Blätter weißes Papier, eine Glasfeder, ein mit schwarzer
Tinte gefülltes Tintenfass und ein halb ausgetrunkenes Glas Rotwein,
davor ein Stuhl, ansonsten ist alles leer. Auf dem Stuhl sitzt ein
junger Mann. Er sitzt hier schon lange. Starrt das Blatt an, wischt
sich mit dem Handrücken seiner dünnen großen Hände etwas Schweiß
von der Stirn, greift hin und wieder gedankenverloren aber scheinbar
auf etwas konzentriert nach dem Glas Rotwein, trinkt bald einen
Schluck, stellt es bald von seinen Lippen unberührt wieder hin und
erschrickt nicht, als der erste Blitz des Gewitterabends das Zimmer
kurz vollständige erhellt, dass noch einige verwelkte Rosen nebst
Spinnweben in den Zimmerecken zu erkennen sind. So sitzt er schon
lange da. Er hat wenig gegessen und muss ständig husten. Er hat
lange nichts mehr zu Papier gebracht, obgleich er es sich immer zu
vornimmt, darum sitzt er hier alleine und einsam vor dem leeren Blatt
Papier beim halbdunklem, halbhellem Resttageslicht, dass durch die
Glasscheibe eines Dachfensters scheint. Hin und wieder stellt er sich
vor, wie eine Freundin anruft. Wie er ihre sanfte Stimme am Telefon
vernimmt und auf die erste Frage antwortet mit ich bin sehr krank.
Obgleich er nicht sehr krank war.
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