Sonntag, 27. August 2017

III


Gruselig tropft dicker Regen gegen die Glasscheibe eines Dachfensters, welches das letzte schwache Tageslicht in ein kleines Zimmer gleiten lässt. Das Zimmer steht leer, bis auf einen hölzernen Schreibtisch, darauf einige Blätter weißes Papier, eine Glasfeder, ein mit schwarzer Tinte gefülltes Tintenfass und ein halb ausgetrunkenes Glas Rotwein, davor ein Stuhl, ansonsten ist alles leer. Auf dem Stuhl sitzt ein junger Mann. Er sitzt hier schon lange. Starrt das Blatt an, wischt sich mit dem Handrücken seiner dünnen großen Hände etwas Schweiß von der Stirn, greift hin und wieder gedankenverloren aber scheinbar auf etwas konzentriert nach dem Glas Rotwein, trinkt bald einen Schluck, stellt es bald von seinen Lippen unberührt wieder hin und erschrickt nicht, als der erste Blitz des Gewitterabends das Zimmer kurz vollständige erhellt, dass noch einige verwelkte Rosen nebst Spinnweben in den Zimmerecken zu erkennen sind. So sitzt er schon lange da. Er hat wenig gegessen und muss ständig husten. Er hat lange nichts mehr zu Papier gebracht, obgleich er es sich immer zu vornimmt, darum sitzt er hier alleine und einsam vor dem leeren Blatt Papier beim halbdunklem, halbhellem Resttageslicht, dass durch die Glasscheibe eines Dachfensters scheint. Hin und wieder stellt er sich vor, wie eine Freundin anruft. Wie er ihre sanfte Stimme am Telefon vernimmt und auf die erste Frage antwortet mit ich bin sehr krank. Obgleich er nicht sehr krank war.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen