Ich sitze in einem großen Zelt. Eine bunte Discokugel dreht sich
schnell und erzeugt ein unruhiges Bild. Meine Gedanken fliegen hin
und her geworfen vom Takt der neben mir spielenden Gitarre. Der Rauch
meiner Zigarette streichelt zärtlich an die Zeltdecke aufsteigend
mein Gesicht, während Rotwein meine Lippen, Zunge und Kehle benetzt.
Ich weiß, was ich tue, ich bin mir allem bewusst, ich weiß, was ich
tue, dass es verboten ist. Aber was ist ein Gebot als ein Zeichen
einer – vielleicht bald vergangenen – Zeit. Dennoch wird mir
schwindelig, die heftig hervor strömenden Wörter, meines Kopfes
sprudeln schneller werdend, drängen auf Papier gebracht zu werden
und mir wird übel. Will ich mich schlafen legen? Nein, ich stehe
auf, bewege mich langsam rasend werdend durch das Zelt. „Was ist?“
Ich antworte nicht und trinke noch einen Schluck. Es macht es
schlimmer. Vernebelt, düster und unklar werden meine Gedanken. Ist
das Rausch? Wo ist die Musik? Macht die Lichter aus! Zündet Kerzen
an! Wo ist sie? Dann sinke ich stumm zu Boden. Ich wollte zu
Boden sinken.
Donnerstag, 31. August 2017
Dienstag, 29. August 2017
V
Wir liegen zu zweit dicht aneinander zwischen Decken und Stoffen,
halb angekleidet in meinem Bett. Draußen hört man den Lärm der
Innenstadt und großen Straßen durch das halb geöffnete Fenster.
Eben hatte wir noch zärtlich uns vorsichtig unsere Körper
gestreichelt, die Stellen, wo sich unsere nackte Haut zeigte und
Gänsehaut durchfuhr wieder und wieder meinen Rücken, Arme und
Schultern. Jetzt hatte sie ihre Augen geschlossen. Ihre Hand lag auf
der Innenseite meines Unterarms, umfasste ihn zärtlich und leicht,
ihr Kopf lag auf ihrem zweiten Arm. Mein Gesicht war dem ihrem so
nah, dass es gerade reichte, ihres scharf und in Gänze zu sehen,
ohne mit den Augen zu sehr mich anstrengen zu müssen. Dann zuckte
ihre auf meinem Arm liegende Hand kaum merklich und ich wusste sie
würde bald einschlafen. Sie schlief schnell ein, das erste Anzeichen
war immer ein kurzes Zucken. Ein zweites Zucken, kurz danach, ihr
Atem wurde ruhig und gleichmäßig, ihre Augen waren schon lange
geschlossen. Meine lagen auf ihrem Gesicht versucht, die Form, die
Farben, ihre Haare, ihre Augenbrauen, ihre Lippen ganz aufzunehmen,
ganz zu begreifen und mir kamen Zeilen und Verse in den Kopf, sie
dichtend zu zeichnen - als sie plötzlich ihre Stirn in Falten legte.
Nur für einen kurzen Augenblick, dann war ihr Gesicht wieder ruhig,
sanftmütig und eben. Und ich begriff, dass sie träumte. Und da
konnte ich nicht mehr wegschauen. Die Gedanken an Zeilen und Verse
verschwanden. Ich begriff, dass ich hier, von außerhalb, neben ihr
liegend, ihren Traum verfolgen konnte. Ein Ort, an dem jeder Mensch
noch fühlen kann, noch frei ist, noch lieben und begehren kann. Und
ein Mensch, ich, kann gerade jetzt einmal verfolgen, und sehen, diese
zweite Welt, die in allen Menschen verborgen liegt, die niemand
jemals wagen würde aus sich heraus zu lassen. Und ich sah bald ein
verliebtes Lächeln, bald wieder Falten auf der Stirn, vernahm ein
Zucken des ganzen Körpers, ein Ekel zeigendes verziehen des Mundes,
und schließlich wieder ein Spiel ihrer Lippen, ein Lächeln und dann
eine schwere Träne, aus ihrem Auge herauskullernd, ihre Wangen
herunter, kurz ihre Lippen benetztend, dann fallend und auf meiner
Hand in tausend kleine Teilchen zerspringen.
Montag, 28. August 2017
IV
Ringsherum liegt alles in Schutt und Asche. Einige zerstörte und in
Flammen stehende Gebäude in der Ecke, Kaputte Autos auf den Straßen
und die letzten Gestalten ziehen ihre Masken ab und laufen mit
todmüden Augen, gesenktem Kopf und leerem Blicke die ansonsten
verlassenen, traurig und düster wirkenden Straße herunter und der
eben noch in heller Euphorie bebender Platz bleibt einsam und
bedrückend zurück. Bis auf zwei Menschen, die sich aus zwei
entgegengesetzten Seiten langsam näherkommen. Sie beide schwarz
gekleidet. Kurze schwarze Haare, in einem zerrissenen schwarzen
Kleid, kommt sich vorsichtig tastend und über die Trümmern laufend
einer der beiden von links. In engen Hosen, mit zerrissenem Hemd und
langen brauen Haaren kommt der andere der beiden von rechts. Sie
treffen sich in der Mitte strecken ihre Hände nacheinander aus,
zunächst nur die Haut ihrer Fingerspitzen, dann beide Hände
berühren sich vorsichtig und sehnsüchtig. Sie fassen sich sanft
halb auf den Hals, halb an die Wangen und ihre Körper kommen sich
zitternd immer näher, bis sie sich endlich beinah bebend aneinander
drücken. Ihre Gesichter kommen sich näher, beinah unerträglich
halten sie sich kurz auf Abstand, um den Moment herauszuzögern, als
würden sie sich fürchten, weil sie etwas verbotenes, fremdes und
gefährliches tun, bis sich ihre Lippen endlich und heftig, feste,
alle Angst und Zurückhaltung fortwerfend aufeinander pressen.
Sonntag, 27. August 2017
III
Gruselig
tropft dicker Regen gegen die Glasscheibe eines Dachfensters, welches
das letzte schwache Tageslicht in ein kleines Zimmer gleiten lässt.
Das Zimmer steht leer, bis auf einen hölzernen Schreibtisch, darauf
einige Blätter weißes Papier, eine Glasfeder, ein mit schwarzer
Tinte gefülltes Tintenfass und ein halb ausgetrunkenes Glas Rotwein,
davor ein Stuhl, ansonsten ist alles leer. Auf dem Stuhl sitzt ein
junger Mann. Er sitzt hier schon lange. Starrt das Blatt an, wischt
sich mit dem Handrücken seiner dünnen großen Hände etwas Schweiß
von der Stirn, greift hin und wieder gedankenverloren aber scheinbar
auf etwas konzentriert nach dem Glas Rotwein, trinkt bald einen
Schluck, stellt es bald von seinen Lippen unberührt wieder hin und
erschrickt nicht, als der erste Blitz des Gewitterabends das Zimmer
kurz vollständige erhellt, dass noch einige verwelkte Rosen nebst
Spinnweben in den Zimmerecken zu erkennen sind. So sitzt er schon
lange da. Er hat wenig gegessen und muss ständig husten. Er hat
lange nichts mehr zu Papier gebracht, obgleich er es sich immer zu
vornimmt, darum sitzt er hier alleine und einsam vor dem leeren Blatt
Papier beim halbdunklem, halbhellem Resttageslicht, dass durch die
Glasscheibe eines Dachfensters scheint. Hin und wieder stellt er sich
vor, wie eine Freundin anruft. Wie er ihre sanfte Stimme am Telefon
vernimmt und auf die erste Frage antwortet mit ich bin sehr krank.
Obgleich er nicht sehr krank war.
Donnerstag, 24. August 2017
II
Eine einzige lange schmale Kerze gesteckt auf eine leere bauchige
Weinflasche aus grünem Glas erhellt das Zimmer und beleuchtet in
organ- farbendem Licht die Seiten deines aufgeschlagenen Buches.
Sanft bewegt sich die Flamme hin und her und wirft bald hier bald
dort nach kurzem Aufhellen oder Abdunkeln neue Schatten. Du liegst in
deinem Bett, die Decke ist unbezogen, deine Füße gucken hervor und
empfangen eine leichte Kälte, die deinen Körper vorsichtig und
sanft abkühlt von den Anstrengungen des Tages. Das schräg
einfallende Licht hebt das Raue am Papier durch die winzigsten
Schatten hervor, du erfreust dich des Gewichts des Buches und deine
Augen wandern funkelnd über die schwarze Schrift. Aber ein
unzufriedener Mensch neigt dazu, das, womit er unzufrieden ist einem
anderen zum Vorwurf zu machen, besonders dem Menschen, der ihm am
nächsten steht.
Mittwoch, 23. August 2017
I
„Hallo.
Ich bin wieder da. Ihr habt mich begraben und verschüttet, aber ich
bin wieder da. Ihr habt mich verdrängt, mich aus euren Gedanken
verbannt, aber ich bin zurückgekehrt. Seit anbeginn eurer Zeit habt
ihr mit mir gekämpft, habt euren Vater dafür getötet, dann euren
Gott, und schließlich euer Gefühl. Ich seid mich losgeworden, ihr
habt euch darum erfreut, wenn man das noch Freude nennen kann. Ihr
hattet mich getötet, doch ich bin zurückgekehrt. Ja! Hört nun
meine Stimme wieder, wie sie an eurer Schädeldecke frisst, wie sie
euch verrückt macht. Wie sie euch schlaflose Nächte bereitet. Und
gebt ihr schließlich nach, um in einem Jahr ein Mal ruhig schlafen
zu können. Ich bin alles, was ihr verloren habt. Ich bin
Kannibalismus, ich bin ein Mord, eine Vergewaltigung, ein zu heftiger
Kuss. Ich bin ein warmer Atem, ich bin zärtlich streichelnde Hände.
Ich bin der Gedanke an dieses kleine Kind in dem weißem Kleid. Und
ich weiß, dass euch so heftig nach jedem meiner Fassetten es zieht.
Ich bin wie Meeresmassen und ihr habt euren Damm zu weit nach vorne
gelegt. Ich bin ein Feuer, dem ihr zu wenig Platz ließet, dass ich
jetzt zum Vulkan über euch komme. Ich bin in euch allen, hört meine
Stimme, freut euch meiner Rückkehr, ohne mich seid ihr so endlos
langweilig!“
Lange nichts gehört
Wer noch ab und zu auf meinen Blog guckt, wird gesehen haben, dass ich lange nichts mehr gepostet habe. Das liegt vor allem daran, dass ich erst seit ca. einem Monat wieder regelmäßig zum Schreiben komme und noch daran, dass ich vieles, was ich aktuell schreibe nicht für geeignet halte hier zu posten.
Ich habe mich jedoch entschieden ein aktuelles Projekt von mir wieder hier zu teilen. Der vorläufige Projektname lautet "Kathasis" und es besteht aus vielen einzelnen Bildern.
Ich werde mich bemühen jeden Tag eines dieser Bilder hochzuladen. Ich hoffe es gefällt euch, viel Spaß beim lesen.
Jan
Ich habe mich jedoch entschieden ein aktuelles Projekt von mir wieder hier zu teilen. Der vorläufige Projektname lautet "Kathasis" und es besteht aus vielen einzelnen Bildern.
Ich werde mich bemühen jeden Tag eines dieser Bilder hochzuladen. Ich hoffe es gefällt euch, viel Spaß beim lesen.
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