Donnerstag, 23. Juni 2016

Kapitel 7: Elpída



Doch dann, noch bevor Friis das Gleichgewicht verlor oder gar hinabstürzte und so, dass Friis sich noch fing und am Rande des Felsen wieder zum Stehen kam, tauchte direkt vor Friis schweben ein Gesicht auf. Wieder war es beinah durchsichtig und wirkte wie das Bild eines alten Projektors in den Mist des sprühenden Wasser projiziert. Doch am komischsten erschien Friis, dass es wechselhaft die Züge all der Menschen annahm, die Friis am nächsten standen: Mal waren Friis Großeltern zu erkennen, dann Julés, alte Freunde (die Friis noch von früher kannte), Julés Vater, Friis eigene Eltern und bald wieder Julés - doch genauso schnell wieder jemand anders. Langsam formte sich unter dem Gesicht ein Körper, der zunächst ähnlich wie das Gesicht und Zília verschwommen und durchsichtig wirkte, doch nun immer festere und klarere Gestalt annahm, bis endlich zunächst vor Friis, dann langsam um Friis herum schweben, ein Mensch zu erkennen war. Er stellte sich hinter Friis auf den Felsen. Sein Gesicht kam Friis nun nicht mehr bekannt vor, aber die Gestalt lächelte freundlich und Friis merkte sofort, wie endlich, seit dem Besuch der Lichtung zusammen mit Julés, Friis sich das erste Mal wieder wohlig fühlte. „Hallo Friis. Mein Name ist Elpída. Bevor wir weiter reden, reich mir doch deine Hand und komm ein Stück weg von dem Rand des Felsens. Du machst einem ja gar Angst.“, mit diesen Worten reichte Elpída Friis eine Hand, Friis ergriff sie und zusammen gingen sie ans Ufer. Denn ihr müsst wissen, wenn euch jemand sagt ‚redet nicht mit Fremden‘, dann sage ich euch: ‚redet mit Fremden‘, solange ihr euch dabei wohl fühlt, denn man hat das so im Gespür, ob man sich bei etwas wohlig fühlt oder nicht. Und in diesem Moment fühlt Friis sich - zwar nicht wohl, denn alle Gedanken drehten sich immer noch wie verrückt vor Eifersucht und Ängsten um Julés - doch zumindest geborgen und beschützt. Und als Friis dies merkte, stiegen plötzlich heftige und schwere Tränen die Augen hoch und Friis begann zu weinen, weil Friis sich zum ersten Mal, seit dem Gespräch mit Zília dazu in der Lage führte, weil Friis zum ersten Mal nicht mehr nur von glühender Angst ergriffen war, sondern auch ein Funke Hoffnung sah. Elpída nahm Friis in den Arm und legte Friis dann an einen moosbewachsenen Baum. Friis spürte plötzlich, wie müde und schwer sich doch alles anfühlte und das die Zeit und das viele Laufen sicher anstrengender war, als man es in der Aufregung wahrnimmt. Auch Elpída merkte, dass es für Friis Zeit war, sich auszuruhen. So küsste Elpída langsam und vorsichtig Friis Stirn und Friis schlief ein. „Ich wünsche dir einen traumlosen und festen schlaf, erhol dich gut.“ Dann legte Elpída noch eine rote Schriftrolle - verschlossen mit einen blauen Wachssiegel in der Form einer Rose - in Friis Schoß, schaute noch eine Weile über den Fluss und Friis in die geschlossenen Augen, drehte sich dann um und verschwand in die sich langsam aufhellende Nacht. „Ließ und du wirst vieles verstehen. Ich wünschte ich könnte dich noch einmal wiedersehen.“

4 Kommentare:

  1. ich war sehr, sehr lang nicht mehr online. und es tut mir irgendwie unglaublich leid, dass ich deine texte solange nicht gelesen habe. sie enthalten noch immer diese sonderbare magie.
    bis bald!

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  2. Ach, ich könnte es wohl selber nicht auseinander halten. Also keine Sorge, es ist wirklich nicht zu erkennen :)
    Vielleicht sollte ich anfangen meine Posts wieder zu kennzeichnen. Mal schauen :)

    Bist du sehr beschäftigt zur Zeit? Was machst du denn? :)

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  3. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!!

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  4. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!!

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