Montag, 5. Oktober 2015

Über Masken und Spiegel




1.            Jeder sitzt auf seinem Stuhle,
               schaut sich in die saubre  Hand.
               Durch den Spiegel sehn sie ihre
               schönen Pläne vor sich stehn.
                                           
2.            Lächelnd leuchten ihre Augen,
               glänzend spiegelt sich ihr Mund.
               Glücklich sind sie ohne Frage
               oder macht dies Lächeln dumm?

3.            Sind es nicht nur leere Masken,
               aufgesetzt zum glücklich sein.
               Ohne sie verfällt das Lachen
               und das Aug beginnt zu wein‘.

4.            Trügen wir nur keine Masken,
               wie wohl sähn‘ Gesichter aus?
               Zeige sich wohl noch dies Lächeln
               und des Auges Glanze auch?

5.            Können wir das denn noch wissen,
               sitzen diese Masken nicht
               schon zu fest auf unsren Köpfen?
               Zeih sie ab von deim Gesicht.

                               Ich packe krallend mein Gesicht.
                               Unter Kratzen platzt die Maske ab.
                               An den Rändern zeigen sich
                               die Spuren des verfaulten Lack:

6.            oh der Körper krumm gebogen,
               einst so starke Arme schwer,
               traurig hängt mein Mund herunter,
               meine Augen matt und leer.

7.            Mein Gesicht ist alt und müde,
               faltig, Moll nicht Dur und welk.
   Hände zeigen tiefe Falten,
   Fingerspitzen krumm gestellt.


8.            Beine knochig, alt und schwächlich,
               kaum noch pumpt mein Herz das Blut.
               Füße blau von Herzenskälte.
               Wankend taumle ich durch Glut.

9.            Ohne Maske wirkt‘s so müßig,
               dunkel ist jetzt meine Welt.
               Eins nur spendet wohlge Wärme:
               Lügen tue ich nicht mehr.

10.          Abends treffen sich die Freunde,
               fragen wo mein Lächeln bleibt.
               „Was ich seh in euren Augen
               Ist nur Glück gekauft auf Zeit.

11.          Nur ein Spiegelbild der euren
               Maske, die euch leblos macht.
               Ich, ich hab sie abgerissen
               und das erste Mal gelacht.

12.          Müsst verzeihn, wenn ich nicht jeden
               Tage mein alt Lächeln trag.
               Dafür schaut tief in mein Herze
               wissend, wie’s mir wirklich geht.“

13.          Dann erst seh ich dieses Mädchen
               weinend vor dem Spiegel steh.
               Mit dem schwarz die Trän bedeckend,
               wird es jetzt die Maske nehm.

14.          Langsam komme ich ihr näher,
               sehe ihren kalten Blick.
               Meine Hand die greift nach ihrer,
               oh sie ist schon nass und kalt.

15.          Zärtlich nehm ich ihre Maske,
               lasse sie zu Boden falln.
               Sieh! auch ohne kalte Masken
               lächeln wir einander an.

16.          Schaut nur auf oh all die Menschen
               Jeder mit dem Kopf gebeugt.
               Wie als wärn da kleine Spiegel,
               welche sie beständig hielten,

17.          um zu prüfen, ob ihr Lächeln
               noch so wie am Morgen sitzt.
               Narren sollten wir uns hüten,
               ihre Spiegel sehn sie nicht.

18.          Kommt und zieht die Masken ab, ich
               hab es euch schon vorgemacht.
               Schaut nicht mehr auf eure Spiegel,
   ruft das in die weite Welt!


-06. September

1 Kommentar:

  1. Wahnsinn Jan! Damit hast du dich selbst übertroffen! Es ist so gut :-)

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