1. Jeder sitzt auf seinem Stuhle,
schaut sich in die saubre Hand.
Durch den Spiegel sehn sie ihre
schönen Pläne vor sich stehn.
2. Lächelnd leuchten ihre Augen,
glänzend spiegelt sich ihr Mund.
Glücklich sind sie ohne Frage
oder macht dies Lächeln dumm?
3. Sind es nicht nur leere Masken,
aufgesetzt zum glücklich sein.
Ohne sie verfällt das Lachen
und das Aug beginnt zu wein‘.
4. Trügen wir nur keine Masken,
wie wohl sähn‘ Gesichter aus?
Zeige sich wohl noch dies
Lächeln
und des Auges Glanze auch?
5. Können wir das denn noch wissen,
sitzen diese Masken nicht
schon zu fest auf unsren Köpfen?
Zeih sie ab von deim Gesicht.
Ich packe
krallend mein Gesicht.
Unter Kratzen
platzt die Maske ab.
An den Rändern
zeigen sich
die Spuren des
verfaulten Lack:
6. oh der Körper krumm gebogen,
einst so starke Arme schwer,
traurig hängt mein Mund
herunter,
meine Augen matt und leer.
7. Mein Gesicht ist alt und müde,
faltig, Moll nicht Dur und welk.
Hände zeigen tiefe Falten,
Fingerspitzen krumm gestellt.
8. Beine knochig, alt und schwächlich,
kaum noch pumpt mein Herz das
Blut.
Füße blau von Herzenskälte.
Wankend taumle ich durch Glut.
9. Ohne Maske wirkt‘s so müßig,
dunkel ist jetzt meine Welt.
Eins nur spendet wohlge Wärme:
Lügen tue ich nicht mehr.
10. Abends treffen sich die Freunde,
fragen wo mein Lächeln bleibt.
„Was ich seh in euren Augen
Ist nur Glück gekauft auf Zeit.
11. Nur ein Spiegelbild der euren
Maske, die euch leblos macht.
Ich, ich hab sie abgerissen
und das erste Mal gelacht.
12. Müsst verzeihn, wenn ich nicht jeden
Tage mein alt Lächeln trag.
Dafür schaut tief in mein Herze
wissend, wie’s mir wirklich
geht.“
13. Dann erst seh ich dieses Mädchen
weinend vor dem Spiegel steh.
Mit dem schwarz die Trän
bedeckend,
wird es jetzt die Maske nehm.
14. Langsam komme ich ihr näher,
sehe ihren kalten Blick.
Meine Hand die greift nach
ihrer,
oh sie ist schon nass und kalt.
15. Zärtlich nehm ich ihre Maske,
lasse sie zu Boden falln.
Sieh! auch ohne kalte Masken
lächeln wir einander an.
16. Schaut nur auf oh all die Menschen
Jeder mit dem Kopf gebeugt.
Wie als wärn da kleine Spiegel,
welche sie beständig hielten,
17. um zu prüfen, ob ihr Lächeln
noch so wie am Morgen sitzt.
Narren sollten wir uns hüten,
ihre Spiegel sehn sie nicht.
18. Kommt und zieht die Masken ab, ich
hab es euch schon vorgemacht.
Schaut nicht mehr auf eure
Spiegel,
ruft das in die weite Welt!
-06. September
Wahnsinn Jan! Damit hast du dich selbst übertroffen! Es ist so gut :-)
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