„…Doch von heute an, wenn der
Vollmond hoch über den Bäumen hängt, wenn die Nacht nur von dem bläulichen
Licht ebenso hell erleuchtet scheint, wie von einem Schwarm Glühwürmchen,
sollst du einmal im Monat nur für die wenigen Stunden der Nacht wieder so sein,
wie früher - mit all deinem Wunder, mit all eurer Liebe, mit all deiner
Schönheit. Und finden sich je wieder zwei zu einander passende Menschen in
diesem Garten, soll er wieder aufstrahlen in dem alten Glanze. ‘ Und damit
löste sich der Geist auf, nur noch der Klang seines Namens ‚Elpída‘ lag in der
Luft. - Ach und da Kinder, fällt mir wieder ein, wie die beiden Menschen
wirklich hießen, denn es wäre freilich
ein feiner Zufall, trügen sie tatsächlich eure Namen. Sysé und Floré hießen die Menschen, die in dem
Garten lebten“.
Und da
verklang auch für Friis die Stimme der Großeltern, nur die Schrift des letzten
Absatzes schien noch zu schimmern, als wäre die Tinte feucht und einige Wörter
kürzlich umgeschrieben worden.
Und Friis
zögerte nicht lange und lief schnellen Schrittes durch ein Feld in die
Richtung, in die Elpída Friis zu führen schien. Die Eifersucht, die Friis
verspürt hatte, war gewichen – denn wie so oft, wenn einem die Eifersucht
überkommt, reicht es häufig aus, die Dinge einmal von einer anderen Perspektive
aus zu sehen und einem wird schnell klar, dass sie nichts als eine gar komische
und im Grunde unbegründete Furcht und Angst zu verlieren ist. Und Friis nun
statt Eifersucht Hoffnung aber zur selben Zeit auch Angst spürend, ließ all den
neuen Gedanken freien Lauf; was würde Floré tun, um Julés bei sich zu behalten,
wie weit würde Floré gehen? Würde Floré Julés verletzen? Würde Floré Julés
überhaupt gehen lassen, selbst wenn Friis noch rechtzeitig ankäme?
Vor Friis
erschien schon bald der Garten, von außen konnte man zunächst nur die hohen
dornenbewachsene und dadurch recht bedrohlich dastehende Rosenhecken und
dahinter einige prächtige Baumkronen sehen und Friis lief bald nach Julés
rufend, bald schreiend mehrmals um den Garten herum, doch fand weder Eingang,
noch Gehör.
Und als
Friis schon bald nicht mehr zählen konnte, wie oft in zunehmender Verzweiflung
eine weitere Runde um das Paradies gedreht war, hört Friis eiskalt, ruhig aber
ganz deutlich hinter der Rosenhecke eine Stimme sprechen: „Julés, tu das nicht.
Bleib stehen.“, und Friis spürte, wie alle Gliedmaßen heftig vor Angst zu
zittern anfingen. Friis zwang sich bis ganz nah an die Hecke und rief mit aller
Kraft durch sie hindurch „Julés! Julés! Hörst du mich?! Sag doch bitte etwas!
So sag doch was!“ Doch statt Julés Stimme vernahm Friis unverständlich aber
gruselig nur erneut die eiskalte Stimme, die Floré’s sein musste und Schreie
von Julés, als wolle Julés sich von jemandem losreißen, als wüsste Julés um
Friis Anwesenheit oder könnte zu mindestens die Rufe hören.
Friis griff
plötzlich entschlossen in die Dornenhecke herein um einen Halt zu fassen und
sich langsam hochzuziehen, während augenblicklich Dornen und Äste in seine Arme
stachen. Friis biss die Zähne und kniff die Augen zusammen, sich zwingend
weiter zu klettern, die Hecke herauf. Zwischen Friis Fingern tropfte das erste dicke,
rote Blut, wo die Dornen sich zu tief bohrten. Friis Kopf begann sich schwer an
zu fühlen, wie als wache man morgens mit starken Kopfschmerzen und dem
benebelndem Gefühl von Schwindel auf. Schmerz spürte Friis kaum noch, aber mit
jedem Tropfen Blut und jeder neue Dorne in Armen, Händen oder Fingern verließ
Friis zunehmend Kraft und Energie und Friis Finger schienen sich im Weiterklettern
kaum noch halten zu können.
Auf der
anderen Seite der Hecke hatte Julés sich von Floré losgerissen und rannte nun
gegen den mit jedem der Hecken näherkommenden Schritt größer und heftiger
werdenden Schmerz an, der eine Art Zauber
des Paradieses war, um Julés davon abzuhalten den Garten zu verlassen oder gar
Menschen außerhalb des Gartens wiederzusehen. Doch trotzdem stand Julés nun da
– direkt an der Hecke, ebenfalls schwach und blass vor ständig stechenden
Schmerzen - aber oben an der Hecke war Friis Gesicht zu sehen, Blut tropfte
über Friis Augen und über ein unerklärliches, schmerzverzehrtes aber
erleichtertes Grinsen. Julés stellte sich auf Zehnspitzen und streckte eine
Hand aus, um sie Friis zu reichen, doch als ihre Finger sich gerade berühren
wollten, stürzte Friis, Augen vor Erschöpfung beinahe geschlossen und endgültig
kraftlos aber glücklich Julés noch einmal gesehen und beinah berührt zu haben,
die Hecke herab und Julés brach schließlich, die Schmerzen nicht mehr
aushaltend gleichzeitig und ohnmächtig in sich zusammen.
The End.
The End.
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