Freitag, 15. Juli 2016

Kapitel 8: Der Garten und dessen verlorene Geschichte (Teil 2)


Und wie Julés so durch den Garten streifte, fand Julés auf einem alten moosbewachsenen Stein liegend eine rote Schriftrolle - verschlossen mit einem blauen Wachssiegel in der Form einer Rose. Julés zögerte zunächst, doch dann nahm und öffnete Julés die Schriftrolle langsam und während Julés die Wörter und Zeilen immer schneller eine nach der anderen und zunehmend erstaunt verschlag, war es als bräuchten Julés Augen gar nicht zu lesen, sondern als würde eine leise Stimme den Text vorlesen – die Stimme Friis Großeltern:

„Und dann Kinder, nachdem die blaue Rose verschwunden war, veränderte sich das Paradies auf einmal gar schrecklich und traurig; Zunächst fingen all die Blumen an zu welken, sogar die dicksten Äste der schönsten Bäume neigten sich dem Boden zu und aus den Rosenhecken wuchsen dicke, giftige Dornen und es ergab sich ein trostloses Bild. Ja mit diesem welk, dunkel und beängstigend Werden des Gartens verschwand schlagartig auch sein magisch-schöner Zauber und Besucher und Wanderer, die sonst so freudig ein und aus gingen, kamen keine mehr um sich zu erfreuen oder von ihrem täglichen Laster sich auszuruhen, sondern man begann große Bögen um den Garten herum zu gehen, denn er hatte nun etwas bedrohliches an sich, von dem man bemüht war Abstand zu halten. Und damit geriet das ehemals so bekannte und wunderbare Paradies in Vergessenheit.
Doch noch das Schlimmste geschah drei Tage nach dem die Gestalt zusammen mit der Rose aus dem Garten verschwunden war. Wie ihr wisst war bekannt, dass zwei Menschen (wie hatten wir sie noch gleich genannt? Richtig, wir nannten sie Friis und Julés) in dem Garten lebten, ihn pflegten und liebten, doch mit dem Verschwinden der Rose, geschah es bald, dass Friis schwer krank wurde und am Morgen des dritten Tages aus einem heißen Fieberschlaf nicht mehr aufwachte und sterben musste. Jetzt lebte nur noch Julés alleine und verlor in der Einsamkeit all die Ausstrahlung und Schönheit, grämte sich Tag ein Tag aus, wusste nichts mehr mit sich anzufangen und wanderte oft Stunden lang mit vernebeltem Blicke und  leeren Gedanken durch den Garten - verlorenen Erinnerungen hinterher trauernd.
So ging es eine Weile, vielleicht Wochen, Monate oder sogar Jahre. Doch dann an einem Tage – das Paradies sah nun ganz elend, verwachsen und traurig aus - als goldene Sonnenstrahlen durch die morgendlichen Nebel brachen, erschien vor dem kleinen Efeu-bewachsenen Haus eine Art Geist und begann leise zu Julés zu sprechen: ‚Lange wanderst du jetzt schon alleine durch deinen Garten, lange hängst du schon Erinnerungen nach, die Vergangenheit sind und bleiben werden und schon lange hat dich und eurem einst so schönen Paradies das Wunderbare, faszinierend Schöne verlassen. Dies ist kein Ort zum alleine sein, so lebte er doch stets von der Liebe zweier Menschen. Doch nun meiden die Menschen den Garten, er hat etwas Bedrohliches an sich und auch du - Julés - hast etwas an dir, das die Menschen zu meiden anfingen.
Doch von heute an, wenn der Vollmond hoch über den Bäumen hängt, wenn die Nacht nur von dem bläulichen Licht ebenso hell erleuchtet scheint, wie von einem Schwarm Glühwürmchen, sollst du einmal im Monat nur für die wenigen Stunden der Nacht wieder so sein, wie früher - mit all deinem Wunder, mit all eurer Liebe, mit all deiner Schönheit. Und finden sich je wieder zwei Menschen in diesem Garten, soll er wieder aufstrahlen in dem alten Glanze.‘ Und damit löste sich der Geist auf, nur noch der Klang seines Namens ‚Elpída‘ lag in der Luft. - Ach und da Kinder, fällt mir wieder ein, wie die beiden Menschen wirklich hießen, denn es wäre  freilich ein feiner Zufall, trügen sie tatsächlich eure Namen. Sysé und Floré hießen die Menschen, die in dem Garten lebten“.

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