Dienstag, 31. Mai 2016

Kapitel 6: Zília (Teil 1)






Und dort auf der Lichtung saß Julés, so, wie Friis sich das vorgestellt hatte, eine leise Melodie pfeifend, an dem Baumstamm angelehnt im Moos. Friis viel auf, wie schön Julés eigentlich war: die langen Haare, die nicht perfekte aber unglaublich schöne Haut, das anmutige Gesicht, das Lachen, das Geschichten zu erzählen schien, die noch wunderbarer  zu sein mochten, als die der Großeltern. Und sofort viel all die Anspannung, all die Angst, die Verzweiflung nicht genug sein zu können von Friis ab. Friis atmete tief auf. Julés stand auf, bewegte sich auf Friis zu - immer noch lächelnd. Doch das Lächeln und Julés Körper veränderten sich plötzlich das Lächeln wurde breiter und das Bild Julés‘ Erscheinung schien durchsichtiger, verschwommener zu werden, als wäre es eine bloße Projektion, durch die man hätte hindurch greifen können. Friis Augen weiteten sich schlagartig vor Furcht, Julés Lachen hatte sich über den ganzen Mund gezogen und wirkte auf einmal so gruselig und furchterregend, die Haare verfärbten sich, wurden noch länger, strähnig hingen sie nun über den breiten roten Mund, die Erscheinung schien jetzt ganz unscharf zu werden und das zu Beginn stumme, verträumt freie Lächeln wurde zu einem lauten, spöttischen Lachen, das zwischen den Bäumen des Waldes Echos bildetet, sich überschlug und schrecklich hallend an Friis Ohr heran drang. Friis hielt sich die Arme über den Kopf, fing an zu zittern und kauerte bald auf dem kalt gewordenen Waldboden, die Knie zu sich heran gezogen – Es kam Friis vor, wie ein schrecklicher Albtraum, aber wie einer, der dir bekannt vorkommt, den du in so mancher stürmender Winternacht schon einmal geträumt hast, jedenfalls hast du so eine Ahnung. Und dann begann der Geist Julés‘ Erscheinung zu sprechen:

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