Auch Julés stand am Fenster und schaute durch die Nacht, aber nicht
zu Friis Haus herüber, sondern in Richtung Wald. Julés war, als
sänge der Wald Lieder zum Dorf und zu Julés Fenster herüber und
rufe in leisen Flötenmelodien „Wieso bist du gegangen?“ und
„Hier ist alles so einsam“. „Weil es sich so gehört“, dachte
Julés leise in sich hinein, „Abends muss ich zu Hause sein. Vater
wartet und überhaupt...“ „Weil es sich so gehört? Julés, magst
du nicht auch deine zotteligen Haare mehr, als deine glatten und
träumst du nicht lieber vom Fliegen, als vom gehen?“ Und da fing
Julés schüchtern an zu nicken, drehte sich entschlossen vom Fenster
und leise, um Vater nicht zu wecken, schlich Julés durch die
Zimmertür und dann die Treppe und den Gang hinunter aus dem Haus und
trat erleichtert an die kühle Nachtluft. Kalt war Julés nicht. (Bis
heute wusste Julés nicht, ob es wirklich eine Unterhaltung mit dem
Wald gewesen war, oder sich nicht alles in Julés Kopf abgespielt
hatte. So ist das eben machmal und seid ihr ehrlich zu euch selbst,
geht es einem doch oft genauso.)
Julés ging bis zum Dorfrand und dann den selben Weg wie mit Friis
durch das Feld bis in den Wald und bald über die trockenen Zweige
und ersten Laubblätter auf die Lichtung. Die Lichtung lag, der
Vollmond nun senkrecht über dem Wald stehend, jetzt komplett in
blauem Mondlicht gehüllt so schön und still da. Bis auf eine
bezaubernde Flötenmelodie, die sanft nur ein bisschen rau aus der
Mitte der Lichtung an Julés Ohr drang. Denn dort auf dem großen
Baumstumpf saß eine Gestalt in anmutigen Kleidern und mit einem
weißen Umhang über den Schultern. Sie spielte mit geschlossenen
Augen, ganz in die Musik vertieft Flöte und schaute, als Julés die
Lichtung betrat auf, Julés direkt in die Augen.
Ich freue mich auf jeden neuen Teil. Immer findest du eine Wendung, die keiner davor ahnen konnte.
AntwortenLöschenIch dachte nicht, dass es so spannend wird!
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