Mittwoch, 16. März 2016

Kapitel 2: Die Lichtung (Teil 2)



Und dann plötzlich staunte Friis. So, dass Mund und Augen weit offen blieben (ein Glück, dass alle Fliegen schon schlafen waren, sonst wären sie sicher in Friis Mund geflogen, so weit offen stand er). Sie waren durch zwei große Laubbäumen hindurch gegangen und standen nun auf einer großen moosbewachsenen Lichtung. Der Mond, der mittlerweile über dem Wald aufgegangen war, tauchte alles in ein träumerisches Blau und die Sterne funkelten, wie unzählige Kerzenlichter auf einem großen schwarzen Tuch. In der Mitte stand ein großer Baumstumpf, ansonsten war alles kräftig grün bedeckt durch das dicke Moos, das keinen Zentimeter Waldboden mehr zu sehen ließ. „Und es ist sogar Vollmond“, meinte Julés zu dem Himmel und den Sternen aufschauend, während Friis, aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommend, sich in das weiche Moos setzte (denn ihr müsst wissen, so ein zauberhafter Ort, war vermutlich nicht einmal das ‚Paradies‘ aus der Geschichte ihrer Großeltern, und wenn er es doch war, dann wussten Friis und Julés ja nichts davon). „Hier komme ich öfters hin, wenn ich mal alleine sein mag. Ich habe die Lichtung gefunden, als ich für Vater Holz holen war. Hier fühle ich mich ein bisschen wie ein Vogel, so frei und mit dem weiten Himmel direkt über einem – nur ist man trotzdem von Bäumen umgeben“, fügte Julés am Ende mit einem etwas traurigem Lächeln hinzu. „Wärst du gerne ein Vogel, Julés“, fragte Friis. „Ja. Du nicht? Dann könnten wir über die ganze Welt fliegen, es gibt bestimmt noch mehr solcher wunderbaren Orte, die wir sonst niemals sehen würden. Meinst du nicht auch? Und außerdem fühle ich mich im Dorf oft so, wie in einem ganz engem Zimmer. Immer soll ich tun und machen ‚was sich so gehört‘, dabei würde ich gerne einfach wegfliegen und machen, was ich mag.“ „Hm, schon, aber was ist mit deinem Vater, würdest du ihn nicht vermissen?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete Julés nachdenklich und eine kleine Träne kullerte aus dem Auge die Wange herunter. Doch dann breitete Julés plötzlich beide Arme aus, wie ein Vogel und rannte lachend durch das Moos und kreuz und quer über die ganze große Lichtung. Friis stimmte ein und so rannten die beiden hin und her, so schnell ihre Beine sie trugen, bis sie endlich erschöpft auf den Waldboden vielen. Julés nahm Friis Hand und sie schlossen ihre Augen. Über ihnen schien immer noch der Mond und tauchte alles in ein träumerisches Blau.

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