Und dann
plötzlich staunte Friis. So, dass Mund und Augen weit offen blieben (ein Glück,
dass alle Fliegen schon schlafen waren, sonst wären sie sicher in Friis Mund
geflogen, so weit offen stand er). Sie waren durch zwei große Laubbäumen
hindurch gegangen und standen nun auf einer großen moosbewachsenen Lichtung.
Der Mond, der mittlerweile über dem Wald aufgegangen war, tauchte alles in ein
träumerisches Blau und die Sterne funkelten, wie unzählige Kerzenlichter auf
einem großen schwarzen Tuch. In der Mitte stand ein großer Baumstumpf,
ansonsten war alles kräftig grün bedeckt durch das dicke Moos, das keinen
Zentimeter Waldboden mehr zu sehen ließ. „Und es ist sogar Vollmond“, meinte
Julés zu dem Himmel und den Sternen aufschauend, während Friis, aus dem Staunen
gar nicht mehr herauskommend, sich in das weiche Moos setzte (denn ihr müsst
wissen, so ein zauberhafter Ort, war vermutlich nicht einmal das ‚Paradies‘ aus
der Geschichte ihrer Großeltern, und wenn er es doch war, dann wussten Friis
und Julés ja nichts davon). „Hier komme ich öfters hin, wenn ich mal alleine
sein mag. Ich habe die Lichtung gefunden, als ich für Vater Holz holen war.
Hier fühle ich mich ein bisschen wie ein Vogel, so frei und mit dem weiten
Himmel direkt über einem – nur ist man trotzdem von Bäumen umgeben“, fügte
Julés am Ende mit einem etwas traurigem Lächeln hinzu. „Wärst du gerne ein
Vogel, Julés“, fragte Friis. „Ja. Du nicht? Dann könnten wir über die ganze
Welt fliegen, es gibt bestimmt noch mehr solcher wunderbaren Orte, die wir
sonst niemals sehen würden. Meinst du nicht auch? Und außerdem fühle ich mich
im Dorf oft so, wie in einem ganz engem Zimmer. Immer soll ich tun und machen
‚was sich so gehört‘, dabei würde ich gerne einfach wegfliegen und machen, was
ich mag.“ „Hm, schon, aber was ist mit deinem Vater, würdest du ihn nicht
vermissen?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete Julés nachdenklich und eine kleine
Träne kullerte aus dem Auge die Wange herunter. Doch dann breitete Julés
plötzlich beide Arme aus, wie ein Vogel und rannte lachend durch das Moos und kreuz und quer über die ganze große Lichtung. Friis stimmte ein und so rannten die beiden
hin und her, so schnell ihre Beine sie trugen, bis sie endlich erschöpft auf
den Waldboden vielen. Julés nahm Friis Hand und sie schlossen ihre Augen. Über
ihnen schien immer noch der Mond und tauchte alles in ein träumerisches Blau.
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