Samstag, 17. Januar 2015

"endlich fertig"


So, endlich fertig.
Wobei, was heißt "endlich", macht mir ja Spaß :P
Und was heißt "fertig", ist ja erst der erste Akt ;)

Ich hab die letzten Wochen, alles nochmal überarbeitet, Zeilen ergänzt, Fehler verbessert, an den Reimen und dem Rythmus gearbeitet, alles formatiert usw. Ist natürlich jetzt sehr lang und auch viel auf einmal, aber ich hoffe es gefällt und joa :)


(Und leider hat Blogger die Formatierung nicht so perfekt hinbekommen, das tut mir sehr leid :/)




Small Drama

Ein dramatisches Gedicht in 3 Akten



1. Akt, 1. Auftritt

Amelie steht alleine am Fenster. Schaut begierig hinaus.

AMELIE: Oh! Süße Sonnenstrahlen wie
                Ihr zärtlich sanft und golden meine
                Wangen streichelt. Eure wärme
                Sanft an meinem Leibe zieht.
                Wie gerne möcht ich mich euch
                Euch, nur euch, nur euch ergeben
Der Freiheit kühner Zügel fassen
                Mein bisherig Leben ruhen lassen,
                Des Himmels roten Watte-Schiffe
                Aus meinem Rahmen heraus besteigen
                Über weite Wälder Meere
                Über sie nur weit hinweg
                Wie über kalte, raue See
                Der rot leuchtnen Sonn entgegen.
Doch dann seh ich dein Gesicht vor mir
Das leuchtend blaue deiner Augen,
Wie warme Saphire in dunkler Nacht.
Deine Arme die mich feste halten,
Deine Stimme, die den Raum erhellt
Und Lippen, rot wie Rosen
Bedecken sanft begierig meine.
Er hält mich hier, ich weiß es doch.
Ich gehör zu ihm, ich brauche ihn.
Doch die Natur mal ein zu zärtlich
Verlockend süßes Bild von Freiheit.
                Wieso nur zerrt sie mich hinaus?
                Wieso nur so stark sie erweckt
                Mein Verlang, nach frei sein, wo kommt es her?
                Kann ich nicht auch mit ihm frei sein?
                Golden scheint das Versprechen
                Der Natur, die mich so gierigruft
                Rot färbend hinter den
                Wehnden  Wipfeln still liegt dort
                Unbetreten, auf mich wartend
                Offen stehndend stolz das Tor.
                „Du musst es nur schnell durchschreitend,
                Musst nur einen Schritt noch tun
                Dich trennen, lös nur noch das Seil!“
                Schreit es mir so laut entgegen.
                Wie kann ich nur, lass doch ab
                Hände zittern, die Hand wird bleich
                Wend dich jetzt für immer ab,
                Dreh dich um, dreh mich um,
                Der Wald der mir Freiheit verspricht,
                Der Wald, den ich nur von hier oben,
                Aus meinem Fenster seh
                Schreit noch laut „komm!“ zu mir.
-          Getrampel! Schließ jetzt schnell den Laden,
Sterne, Sonne, Wald und Wind
Ich sprech euch wieder, wenn ich wieder
Ungestört alleine bin.



Akt, 2. Auftritt

Er betritt das Zimmer. Amelie steht immer noch am Fenster

Er:  Was? Was ist das, was ich hört?
                Geht’s dir gut, bist du wohl?
                Hast du wieder deine Gedanken?
Amelie:                Nein, mir geht es gut. Ich hab
                Nur mit mir mich unterhalten.
Er: Wieso nur stehst du sonst am Fenster?
                Was nur zieht dich fort, was zehrt
                So stark an deinem Geiste? Jetzt
                Sprich, ich bin und halte dich.
                Reich ich dir nicht? ich bin für dich,
                Auch wenn die Sonne untergeht
                Der Wind laut die Natur durchweht
                Der Wald dann schwarz und dunkel steht,
                Ich bin das Licht, das vor dir schwebt.
                Hier ist’s heimisch, hier ist’s sicher.
                Schau nur in meine Augen
                Wie ihr blau warm dich umarmt,
                schützt vor Wilden Geistermächten.
                Sieht, dass Amelie aus dem Fenster schaut. Pause. Schaut traurig zu Boden.
                Dir ist nicht heimisch, ist nicht sicher
                Was gucktest du sonst so dem goldnen
                Horizont so voll verlangen
                Entgegen?
Amelie: dreht sich um. Schmeiß fort der Seele trüber Zweifel.
                Küsst ihn.
                Weißt du nicht um die Sprache meiner
                Lippen, wenn sie zärtlich küssen?
                Vergiss sie nicht, ich liebe dich.
Er: Ich weiß doch um die Rosen die
                Du jeden Tag aufs Neue schenkst
                Sie schlagen bloß nur keine Wurzeln.
                Jeder Wind der bläst sie fort
                Hoch in Himmel, weit hinauf,
                wo meine Arme sie zu greifen
                nicht reichen, Zweifel weilen fort.
                Doch ich eil jetzt fort, ich soll
Längst schon an der Kirche sein,
Meine Mutter ruft.
Amelie:                                               Zu kurz
                Nur konnte ich dich sehn, kommst
                Du später noch einmal her?                                    
                Bis nachher. Du, ich bleib. Die Kirch,
                Du weißt, ich mag sie nicht. Und bitte
                Vertraue mir. Die Blüte braucht
                Auch Wasser und das Sonnenlicht
                In Erde zu vergraben, reicht
                Oft nicht.
Er geht ab.


1. Akt, 3. Auftritt


Er öffnet unter Quietschen die alte Holztür, wo die Straße von der immer noch aufgehenden Sonne golden schimmernd ihren Lauf nimmt. Amelies Haus hinter ihm, läuft er los. Jemand kommt ihm entgegen, aus einem Haus dringen die Schreie eines Babys, aus einem anderen, die eines wütenden betrunkenen Ehemannes und hinter ihm könnte die Welt zusammenbrechen. Ein paar Schritte geht er noch. Die schnell in seinem Kopf, kreisenden Worte bringen ihm zum stehen. Seine Gedanken, wie Monologe, hallen rasend ihm durch den Kopf. Er setzt sich, beobachtet das zwischen den Steinen grün hervorwachsende warme Moos. Die matte Spiegelung des Straßenlichts glänzt in dem Winkel seiner blauen Augen. Und alles scheint, völlig ohne Grund so mühsam, so sinnlos. So sitzt er alleine, am Dorfrand, voller Sehnsucht in die Ferne starrend mit seinen Gedanken bei ihr.



1. Akt, 4. Auftritt

Amelie sitzt mit Tränen in den Augen auf ihrem Bett, ein altes Buch in der Hand. Lisa betritt das Zimmer.
Lisa:  Was sitz du da so traurig
                Mit Tränen in den Augen,
                Mir ist ja schon gar schaurig
                Ich kann die Trän‘ nicht glauben
Amelie: liest aus dem Buch:

                It’s tearing me apart
                There’s no satisfactory in either way
                I’m staring into my heart
                Two roses, but only one may stay
               
                The white at day-time
                The black, only when it’s dark
                Your eyes over me, only when there’s light
                The star chart only to be seen at night

                Aus diesen Seiten scheint’s zu mir
                Zu sprechen, laut zu mir zu schrein
                Hörst du die pergamentenhafte
Stimme auch zu dir leis sprechen?
Verstehst du, all die Rosen, die
Ich reiche, pflücke, pflanze, greife
Weht der Wind unachtsam fort!
Wieso nur kann ich’s nicht begreifen?
Gedeihen wolln sie bei mir nicht.
Bleib ich hier, geh ich fort
Bleib ich bei ihm, hier im Dorf.
Oder sing mit Vögeln, schlaf auf Moos,
genieß die Stille, besteige Berge,
Durchquere Täler, greif nach Freiheit?
Ich muss so rach mich entscheiden
Und kann mich so doch nicht entscheiden.
Lisa: Du sprichst von zweier Rosen
                Und sprichst von zweier Wegen
                Ich hört dein wein‘ von oben
                Und seh jetzt deine Tränen
                Doch sind es zweierlei?
                Du sagst sie gehen entgegen,
                Fühlst du dich denn nicht frei,
                Bleibt dir noch Platz zum sehen?
                Er ist dir doch so nah,
                Lass ihn doch nahe sein
                Du bleibst doch steht’s noch frei.
Amelie: Schenk mir doch was von diesem Weine
Lisa schenkt ihr Wein in ein Glas
Amelie: Oh, wie die roten Tropfen fließen
                Wie gern möchte ich in zwein‘ zerfließen
                In Rot und Weiß zugleich mich gießen.
                Ich brauch ihn doch, verstehst du nicht
                Ich kann nicht mit und auch nicht ohne
                Und so wie jetzt erst recht nicht mehr.
Lisa: Denk auch an ihn, komm seh,
                Doch wie er für dich fühlt
                Klar tut es zuerst weh
                Ist er nicht, was dich rührt?
                Im inneren ist doch er.
                Ihr könntet doch zu zweit
                auch euch die Welt erklärn
                verstehn, weshalb es schneit
                zum grünen Licht des Waldes
                Der Rosen Düfte schmecken,
                Zu zweit wird euch nicht kalt
                Könnt Sterne neu entdecken
                Euch hinter Bäum‘ verstecken
                Wenn sie dann nach euch suchen
                Und schneller sein als sie,
                Wenn sie euch lauthals rufen.
                Beim grünen Licht des Waldes
                Der Rosen Düfte schmecken
                Zart Händ‘ entgegen strecken
                Zusammen, zusammen alt.
                Sind das nicht deine ganzen Wünsche?
Amelie: Ich seh das Glänzen deiner Augen
                Wie deine Worte wie ganze warme
                Sonnenstrahlen meine müden Lieder
                Zu lebenslustgen Spiegeln bald verwandeln
                Jetzt schäumt es in mir auch
                Die goldne Lebenskraft
                Mein Krug der schäumt fast über
                Woher kommt diese Kraft?
                Lass mich noch einen Schluck
                Mein trägen Mund benetzen
                Mein Dank für deine Worte.
Lisa: Ich will doch euer Glück,
                Jetzt leg dich warm zu Bett
                Ich will dich nicht mehr störn‘
                Auf bald, ich muss jetzt weg.
Amelie: Komm bald mich wieder besuchen.
Lisa geht ab.
Amelie: „Zusammen, zusammen alt“
 Ich werd ihn gleich morgen fragen.
                Ihre Worte hallen noch nach,
                Wie schön ist doch ihr zarter Klang:
„Zusammen, zusammen alt“
Mit ihm die Welt ganz neu entdecken.
Pause. Sie schaut aus dem Fenster in die unendliche Natur
Doch will er wirklich mit mir fort?
Würde er es wirklich wagen?
Jetzt schmeiß nun fort ach deine Zweifel.
Einmal soll jetzt alles klappen
Lisa war schon immer, immer
Für mich da.
Lacht.
„Zusammen, zusammen alt“


1. Akt, 5. Auftritt

Er sitzt allein auf einer Bank. Rovo erscheint.
Rovo:  Hallo.
Er:        Hallo Rovo.
Rovo: Du siehst betrübt aus, ich seh‘s in deinen Augen.
Er:       Betrübt ist ein Wort für alte
                Männer ohne Lebenslust.
                Meine jugendliche Flamme
                Ist nur vorübergehend verloschen
                Ein Windstoß hat sie halb erstickt
                Der nächste wird sie neu entfachen.
Rovo: setzt sich zu ihm. Ich mag nicht, dass du so schaust. Gerne würde ich dir alle Streichhölzer der
                Welt schenken, würde es helfen.
           Rovo legt eine Hand auf seine Schulte.
                Willst du nicht reden?
Er: Zuckt nur mit den Schultern. Hmm.
Rovo: Fährt ihm mit der Hand durch die Haare.
Komm schon. Mir kannst du alles erzählen. Die Leut interessiert es doch eh nicht, was ich Rede: „Lass den nur machen!“ rufen sie dann immer und lachen. Aber dich, dich mögen die
Leut, mit dir reden sie gern. Ich rede auch gerne mit dir. Erzähl schon.
Er:      Ach. Immer zu seh ich sie nur
                Voll Sehnsucht aus dem Fenster schauen.
                Dieser Blick, der galt mal mir.
                Jetzt gilt er fast nur noch blühenden Wiesen
                Goldenen Wäldern und singenden Vögeln
                Sie will raus aus diesem kleinen alten
                Dorf und flieh von dieser spröden
                Alten traurigen Gesellschaft,
                Sich lösen von bestimmenden Norm‘.
                Ach für sie bin ich doch sicher nur
                Ein Teil von dem was sie eigentlich
                Schon lange überwinden wollte.
Rovo:  Wieso denkst du denn sowas? Sie hätte allen Grund dich nicht überwinden zu wollen. Du bist
                der einzige hier im Dorf, der von mehr versteht, als nur Arbeiten und Faulenzen. Der was
                vom Menschen versteht. Ich jedenfalls fühl mich wohl in deiner Nähe.
Er: Schaut ihn an. Lächelt. Sag, Rovo wie geht es dir?
                Wohnst du immer noch mit deiner Mutter
                Im Hause, da am Rand vom Dorf?
Rovo: Ja
           Pause.
Er:       Das war schön, dass du das gesagt hast eben.
Rovo:  Was? Dass ich mich wohl fühle bei dir?
Er: Lacht. Ich fühl mich auch wohl bei dir.
          Sie schauen sich an.
Er:      Ich denk mir immer aus, ich habe ein Geschäft – und das wirft so viel Geld ab, dass ich Leben
                Kann –
Rovo:           Und was noch?
Er:        Sonst nichts, das ist doch viel.
           Sie kommen sich näher.
          Küssen sich, vorsichtig. Zurückhaltend.


1 Akt, letzter Auftritt

Er alleine in seinem Zimmer. Es beginnt bereits zu Dämmern. Läuft auf und ab.

Er:        Wieso? Wieso hab ich das getan? Was ist in mich gefahren? War es richtig? Gerecht? In Ordnung? Ich brauchte jemanden, der bei mir ist, mit mir redet. Einfach nur redet. Und sie? Sie war nicht da, wo war sie heute Mittag?
Er war da. Saß neben mir. War da für mich, gab mir das Gefühl etwas wert zu sein. Wo war sie? Wo warst du? Es sind nicht immer Worte, die helfen, weißt du? Nicht, wenn deine Worte mich verletzen, dein fortwährendes Verlangen fort zu gehen. Wo warst du Amelie? Wo? Wenn du doch weg willst, dann geh! Steig aus dem Rahmen deines Fensters der rot leuchtnen Sonn entgegen. Geh! Ich will dich nicht mehr.
Setzt sich in einem Stuhl. Schaut zum Fenster hinaus. Lacht.
Ich weiß es doch. Weiß es doch, dass es falsch war, nicht ihre Schuld. Trotzdem, weiß auch, dass –
Es poltert, die Tür wird aufgerissen. Lisa betritt außer Atem  den Raum
Lisa:       Schnell! Du glaubst nicht, was
                                Passiert ist eben gerad.
                                Nachdem du weggegangen
                                Hab ich mit ihr geredet.
                                Amelie schien zerrissen,
                                Wusste nicht wohin.
                                Sagte, sie ginge nur
                                Eben kurz was holen.
Ein paar Kräuter von
Den weiten grünen Wiesen.
Du weißt ja, wie gern
Sie Natur und Freiheit mag.
So ließ ich sie gehen.
Obwohl sie lieber hätte
Noch etwas länger in
Ihrem Bett ruh sollen.
Und Nun?
Sie ist immer noch nicht da.
Vor sieben Stunden ist
Sie los und fort gelaufen

Und immer noch nicht da?

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