So, endlich fertig.
Wobei, was heißt "endlich", macht mir ja Spaß :P
Und was heißt "fertig", ist ja erst der erste Akt ;)
Ich hab die letzten Wochen, alles nochmal überarbeitet, Zeilen ergänzt, Fehler verbessert, an den Reimen und dem Rythmus gearbeitet, alles formatiert usw. Ist natürlich jetzt sehr lang und auch viel auf einmal, aber ich hoffe es gefällt und joa :)
(Und leider hat Blogger die Formatierung nicht so perfekt hinbekommen, das tut mir sehr leid :/)
Small Drama
Ein
dramatisches Gedicht in 3 Akten
1. Akt, 1. Auftritt
Amelie steht
alleine am Fenster. Schaut begierig hinaus.
AMELIE: Oh! Süße
Sonnenstrahlen wie
Ihr
zärtlich sanft und golden meine
Wangen
streichelt. Eure wärme
Sanft
an meinem Leibe zieht.
Wie
gerne möcht ich mich euch
Euch,
nur euch, nur euch ergeben
Der Freiheit kühner Zügel fassen
Mein
bisherig Leben ruhen lassen,
Des
Himmels roten Watte-Schiffe
Aus
meinem Rahmen heraus besteigen
Über
weite Wälder Meere
Über
sie nur weit hinweg
Wie
über kalte, raue See
Der
rot leuchtnen Sonn entgegen.
Doch dann seh ich dein Gesicht vor mir
Das leuchtend blaue deiner Augen,
Wie warme Saphire in dunkler Nacht.
Deine Arme die mich feste halten,
Deine Stimme, die den Raum erhellt
Und Lippen, rot wie Rosen
Bedecken sanft begierig meine.
Er hält mich hier, ich weiß es doch.
Ich gehör zu ihm, ich brauche ihn.
Doch die Natur mal ein zu zärtlich
Verlockend süßes Bild von Freiheit.
Wieso
nur zerrt sie mich hinaus?
Wieso
nur so stark sie erweckt
Mein
Verlang, nach frei sein, wo kommt es her?
Kann
ich nicht auch mit ihm frei sein?
Golden
scheint das Versprechen
Der
Natur, die mich so gierigruft
Rot
färbend hinter den
Wehnden Wipfeln still liegt dort
Unbetreten,
auf mich wartend
Offen
stehndend stolz das Tor.
„Du
musst es nur schnell durchschreitend,
Musst
nur einen Schritt noch tun
Dich
trennen, lös nur noch das Seil!“
Schreit
es mir so laut entgegen.
Wie kann ich nur, lass doch ab
Hände
zittern, die Hand wird bleich
Wend
dich jetzt für immer ab,
Dreh
dich um, dreh mich um,
Der
Wald der mir Freiheit verspricht,
Der
Wald, den ich nur von hier oben,
Aus
meinem Fenster seh
Schreit
noch laut „komm!“ zu mir.
-
Getrampel!
Schließ jetzt schnell den Laden,
Sterne,
Sonne, Wald und Wind
Ich sprech
euch wieder, wenn ich wieder
Ungestört
alleine bin.
Akt, 2. Auftritt
Er betritt das
Zimmer. Amelie steht immer noch am Fenster
Er: Was? Was ist das, was ich hört?
Geht’s
dir gut, bist du wohl?
Hast
du wieder deine Gedanken?
Amelie: Nein, mir geht es gut. Ich hab
Nur
mit mir mich unterhalten.
Er: Wieso nur
stehst du sonst am Fenster?
Was
nur zieht dich fort, was zehrt
So
stark an deinem Geiste? Jetzt
Sprich,
ich bin und halte dich.
Reich
ich dir nicht? ich bin für dich,
Auch
wenn die Sonne untergeht
Der
Wind laut die Natur durchweht
Der
Wald dann schwarz und dunkel steht,
Ich
bin das Licht, das vor dir schwebt.
Hier
ist’s heimisch, hier ist’s sicher.
Schau
nur in meine Augen
Wie
ihr blau warm dich umarmt,
schützt
vor Wilden Geistermächten.
Sieht, dass Amelie aus dem Fenster schaut.
Pause. Schaut traurig zu Boden.
Dir
ist nicht heimisch, ist nicht sicher
Was
gucktest du sonst so dem goldnen
Horizont
so voll verlangen
Entgegen?
Amelie: dreht sich um. Schmeiß fort der Seele trüber Zweifel.
Küsst ihn.
Weißt du nicht um die Sprache meiner
Lippen,
wenn sie zärtlich küssen?
Vergiss
sie nicht, ich liebe dich.
Er: Ich weiß
doch um die Rosen die
Du
jeden Tag aufs Neue schenkst
Sie
schlagen bloß nur keine Wurzeln.
Jeder
Wind der bläst sie fort
Hoch
in Himmel, weit hinauf,
wo
meine Arme sie zu greifen
nicht
reichen, Zweifel weilen fort.
Doch
ich eil jetzt fort, ich soll
Längst schon an der Kirche sein,
Meine Mutter ruft.
Amelie: Zu kurz
Nur
konnte ich dich sehn, kommst
Du
später noch einmal her?
Bis
nachher. Du, ich bleib. Die Kirch,
Du
weißt, ich mag sie nicht. Und bitte
Vertraue
mir. Die Blüte braucht
Auch
Wasser und das Sonnenlicht
In
Erde zu vergraben, reicht
Oft
nicht.
Er geht ab.
1. Akt, 3. Auftritt
Er öffnet unter
Quietschen die alte Holztür, wo die Straße von der immer noch aufgehenden Sonne
golden schimmernd ihren Lauf nimmt. Amelies Haus hinter ihm, läuft er los.
Jemand kommt ihm entgegen, aus einem Haus dringen die Schreie eines Babys, aus
einem anderen, die eines wütenden betrunkenen Ehemannes und hinter ihm könnte
die Welt zusammenbrechen. Ein paar Schritte geht er noch. Die schnell in seinem
Kopf, kreisenden Worte bringen ihm zum stehen. Seine Gedanken, wie Monologe,
hallen rasend ihm durch den Kopf. Er setzt sich, beobachtet das zwischen den
Steinen grün hervorwachsende warme Moos. Die matte Spiegelung des Straßenlichts
glänzt in dem Winkel seiner blauen Augen. Und alles scheint, völlig ohne Grund
so mühsam, so sinnlos. So sitzt er alleine, am Dorfrand, voller Sehnsucht in
die Ferne starrend mit seinen Gedanken bei ihr.
1. Akt, 4. Auftritt
Amelie sitzt mit
Tränen in den Augen auf ihrem Bett, ein altes Buch in der Hand. Lisa betritt
das Zimmer.
Lisa: Was sitz du da so traurig
Mit Tränen in den Augen,
Mir ist ja schon gar schaurig
Ich kann die Trän‘ nicht glauben
Amelie: liest aus dem
Buch:
It’s tearing me apart
There’s
no satisfactory in either way
I’m
staring into my heart
Two
roses, but only one may stay
The
white at day-time
The
black, only when it’s dark
Your
eyes over me, only when there’s light
The
star chart only to be seen at night
Aus diesen Seiten scheint’s zu mir
Zu
sprechen, laut zu mir zu schrein
Hörst
du die pergamentenhafte
Stimme auch zu dir leis
sprechen?
Verstehst du, all die
Rosen, die
Ich reiche, pflücke,
pflanze, greife
Weht der Wind unachtsam
fort!
Wieso nur kann ich’s
nicht begreifen?
Gedeihen wolln sie bei
mir nicht.
Bleib ich hier, geh ich
fort
Bleib ich bei ihm, hier
im Dorf.
Oder sing mit Vögeln, schlaf
auf Moos,
genieß die Stille,
besteige Berge,
Durchquere Täler, greif
nach Freiheit?
Ich muss so rach mich
entscheiden
Und kann mich so doch
nicht entscheiden.
Lisa: Du
sprichst von zweier Rosen
Und
sprichst von zweier Wegen
Ich
hört dein wein‘ von oben
Und
seh jetzt deine Tränen
Doch
sind es zweierlei?
Du
sagst sie gehen entgegen,
Fühlst
du dich denn nicht frei,
Bleibt
dir noch Platz zum sehen?
Er
ist dir doch so nah,
Lass
ihn doch nahe sein
Du
bleibst doch steht’s noch frei.
Amelie:
Schenk mir doch was von diesem Weine
Lisa schenkt ihr Wein in ein Glas
Amelie: Oh,
wie die roten Tropfen fließen
Wie
gern möchte ich in zwein‘ zerfließen
In
Rot und Weiß zugleich mich gießen.
Ich
brauch ihn doch, verstehst du nicht
Ich
kann nicht mit und auch nicht ohne
Und
so wie jetzt erst recht nicht mehr.
Lisa: Denk
auch an ihn, komm seh,
Doch
wie er für dich fühlt
Klar
tut es zuerst weh
Ist
er nicht, was dich rührt?
Im
inneren ist doch er.
Ihr
könntet doch zu zweit
auch
euch die Welt erklärn
verstehn,
weshalb es schneit
zum
grünen Licht des Waldes
Der
Rosen Düfte schmecken,
Zu
zweit wird euch nicht kalt
Könnt
Sterne neu entdecken
Euch hinter Bäum‘ verstecken
Wenn sie dann nach euch suchen
Und schneller sein als sie,
Wenn sie euch lauthals rufen.
Beim grünen Licht des Waldes
Der Rosen Düfte schmecken
Zart Händ‘ entgegen strecken
Zusammen, zusammen alt.
Sind das nicht deine ganzen
Wünsche?
Amelie: Ich seh das Glänzen deiner Augen
Wie deine Worte wie ganze warme
Sonnenstrahlen meine müden
Lieder
Zu lebenslustgen Spiegeln bald
verwandeln
Jetzt schäumt es in mir auch
Die goldne Lebenskraft
Mein Krug der schäumt fast über
Woher kommt diese Kraft?
Lass mich noch einen Schluck
Mein trägen Mund benetzen
Mein Dank für deine Worte.
Lisa: Ich
will doch euer Glück,
Jetzt leg dich warm zu Bett
Ich will dich nicht mehr störn‘
Auf bald, ich muss jetzt weg.
Amelie: Komm bald mich wieder besuchen.
Lisa geht ab.
Amelie: „Zusammen, zusammen alt“
Ich werd ihn gleich morgen fragen.
Ihre Worte hallen noch nach,
Wie schön ist doch ihr zarter
Klang:
„Zusammen, zusammen alt“
Mit ihm die Welt ganz neu entdecken.
Pause. Sie schaut aus dem Fenster
in die unendliche Natur
Doch will er wirklich mit mir fort?
Würde er es wirklich wagen?
Jetzt schmeiß nun fort ach deine Zweifel.
Einmal soll jetzt alles klappen
Lisa war schon immer, immer
Für mich da.
Lacht.
„Zusammen, zusammen alt“
1. Akt, 5. Auftritt
Er sitzt allein auf
einer Bank. Rovo erscheint.
Rovo: Hallo.
Er: Hallo Rovo.
Rovo: Du siehst betrübt aus, ich seh‘s in
deinen Augen.
Er: Betrübt ist ein Wort für alte
Männer ohne Lebenslust.
Meine jugendliche Flamme
Ist nur vorübergehend verloschen
Ein Windstoß hat sie halb
erstickt
Der nächste wird sie neu
entfachen.
Rovo: setzt sich zu ihm. Ich mag nicht,
dass du so schaust. Gerne würde ich dir alle Streichhölzer der
Welt schenken, würde es helfen.
Rovo
legt eine Hand auf seine Schulte.
Willst
du nicht reden?
Er: Zuckt nur mit den Schultern. Hmm.
Rovo: Fährt ihm mit der Hand durch die Haare.
Komm schon. Mir kannst du alles
erzählen. Die Leut interessiert es doch eh nicht, was ich Rede: „Lass den nur
machen!“ rufen sie dann immer und lachen. Aber dich, dich mögen die
Leut, mit dir reden sie gern. Ich rede auch gerne mit dir. Erzähl
schon.
Er: Ach. Immer zu seh ich sie nur
Voll Sehnsucht aus dem Fenster
schauen.
Dieser Blick, der galt mal mir.
Jetzt gilt er fast nur noch
blühenden Wiesen
Goldenen Wäldern und singenden
Vögeln
Sie will raus aus diesem kleinen
alten
Dorf und flieh von dieser
spröden
Alten traurigen Gesellschaft,
Sich lösen von bestimmenden
Norm‘.
Ach für sie bin ich doch sicher
nur
Ein Teil von dem was sie
eigentlich
Schon lange überwinden wollte.
Rovo: Wieso denkst du denn sowas? Sie hätte allen
Grund dich nicht überwinden zu wollen. Du bist
der einzige hier im Dorf, der
von mehr versteht, als nur Arbeiten und Faulenzen. Der was
vom Menschen versteht. Ich
jedenfalls fühl mich wohl in deiner Nähe.
Er: Schaut ihn an. Lächelt. Sag, Rovo wie
geht es dir?
Wohnst du immer noch mit deiner
Mutter
Im Hause, da am Rand vom Dorf?
Rovo: Ja
Pause.
Er: Das war schön, dass du das gesagt hast
eben.
Rovo: Was? Dass ich mich wohl fühle bei dir?
Er: Lacht. Ich fühl mich auch wohl bei
dir.
Sie
schauen sich an.
Er: Ich denk mir immer aus, ich habe ein
Geschäft – und das wirft so viel Geld ab, dass ich Leben
Kann –
Rovo: Und was noch?
Er: Sonst nichts, das ist doch viel.
Sie
kommen sich näher.
Küssen sich, vorsichtig. Zurückhaltend.
1 Akt, letzter Auftritt
Er alleine in seinem Zimmer. Es
beginnt bereits zu Dämmern. Läuft auf und ab.
Er: Wieso? Wieso hab ich das getan? Was ist
in mich gefahren? War es richtig? Gerecht? In Ordnung? Ich brauchte jemanden,
der bei mir ist, mit mir redet. Einfach nur redet. Und sie? Sie war nicht da, wo
war sie heute Mittag?
Er war da. Saß
neben mir. War da für mich, gab mir das Gefühl etwas wert zu sein. Wo war sie?
Wo warst du? Es sind nicht immer Worte, die helfen, weißt du? Nicht, wenn deine
Worte mich verletzen, dein fortwährendes Verlangen fort zu gehen. Wo warst du
Amelie? Wo? Wenn du doch weg willst, dann geh! Steig aus dem Rahmen deines
Fensters der rot leuchtnen Sonn entgegen. Geh! Ich will dich nicht mehr.
Setzt sich in einem Stuhl. Schaut zum Fenster hinaus.
Lacht.
Ich weiß es
doch. Weiß es doch, dass es falsch war, nicht ihre Schuld. Trotzdem, weiß auch,
dass –
Es poltert, die Tür wird aufgerissen. Lisa betritt
außer Atem den Raum
Lisa: Schnell! Du glaubst nicht, was
Passiert ist eben gerad.
Nachdem du weggegangen
Hab ich mit ihr geredet.
Amelie schien zerrissen,
Wusste nicht wohin.
Sagte, sie ginge nur
Eben kurz was holen.
Ein paar Kräuter von
Den weiten grünen Wiesen.
Du weißt ja, wie gern
Sie Natur und Freiheit mag.
So ließ ich sie gehen.
Obwohl sie lieber hätte
Noch etwas länger in
Ihrem Bett ruh sollen.
Und Nun?
Sie ist immer noch nicht da.
Vor sieben Stunden ist
Sie los und fort gelaufen
Und immer noch nicht da?
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