Freitag, 24. März 2017

Gott ist tot. Befreit euch von ihm, er kann euch nicht mehr helfen! Doch Gott ist nicht tot, er ist wiedergeboren!



„Im Glauben woran? In der Liebe wozu? In der Hoffnung worauf?“ diese Fragen mir zu beantworten, fällt es mir am leichtesten, wenn ich auf dem Kopf gehe. Dort ist die Luft besser und die Hitze steigt einem nicht so zu Kopf, wie es sonst ist, da die Wärme stets nach oben weicht. Nur ist es so mühselig den niederen Kreaturen (auch denen vernünftigen) auszuweichen, über die ich sonst hinweg gehen würde. So finde ich für dieses Problem keine Lösung, aber doch scheint es mir angenehmer und sinnvoller, ich ginge auf dem Kopf. 

Einige Wahrheiten habe ich vernommen, die mein verkopftes Laufen hervorbrachten, die mich innerlich zerreißen, mich fragend machen, wieso rücksichtnehmen auf Kreaturen, die mir nun so niedrig, so ekelhaft, ja so widerlich und garstig erscheinen, eben weil sie diese Wahrheiten nicht erkennen und doch am schlimmsten sind solche, die gar keine Wahrheit neben dieser haben, denn die anderen haben wenigstens etwas an sich, dass man greifen kann, wenn man mit ihnen kämpft, sie haben etwas zum Zerstören, die Niederen haben nichts; worin steht nun denn ihr Wert?

Eigentlich sind die drei großen Wahrheiten bei Nietzsche zu finden und insbesondere in diesem einen Satz „sie machen ihr tägliches Tick-Tack und wollen, dass man es Tugendheißt“. Welch ein Satz! Solch Sätze müssen seziert und dann geküsst, werden; gleich den schönsten Leichen. 

Die erste Wahrheit ist also „Auf welchem Standpunkt der Philosophie man sich heute auch stellen mag: von jeder Stelle aus gesehn ist die Irrthümlichkeit der Welt, in der wir zu leben glauben das Sicherste  und Festeste, dessen unser Auge noch habhaft werden kann.“ Dies ist die Folge, dessen, dass die Menschen, bei was ich sie auch beobachte, tun und reden ohne voll und ganz hinter demselben zu stehen, nicht etwa aus mangelnder Überzeugung (diese Überzeugung ist ja ihr übel) sondern aus mangelndem Wissens um die Sache. Wie könnte daraus in der Welt eine andere „erste Erkenntnis“, eines anderes „fundamentales Wissen“, gefunden werden außer diesem. Diesen Fehler beging schon Descartes. Wir nehmen also an, dass man von einer Sache entweder etwas weiß, dann ist das eine Wahrheit, oder etwas nicht weiß, dann ist die Überzeugung, die man von der Sache hat ein Irrtum. Die Menschen wissen nun nicht mehr, was sie tun, denken und reden, also kann man, den Irrtum in der Welt am einfachsten finden, da es nahezu nur diesen gibt. Wieso nun wissen die Menschen nicht mehr, was sie tun, denken und reden? „Woher sollte ich denn Wissen was Wahrheit ist?“ „Du hast Recht, du konntest es nicht wissen, du hast an Gott geglaubt!“ und „Woher sollte ich denn wissen, was Wert hat?“ „Du hast Recht, du konntest es nicht wissen, du hast an den Warenwert geglaubt!“. Hier findet sich alle Antwort wieder. Das sich zweiteres noch hält ist nicht anders möglich, ersteres aber ist unbegreiflich: das Gott tot ist wurde vor 100 Jahren zuerst ausgesprochen, dass die Phrase so oft wiederholt wurde, ist, weil sie noch nicht begriffen wurde, deshalb kann man sie nicht oft genug predigen: Gott ist tot. Befreit euch von ihm, er kann euch nicht mehr helfen!  Doch Gott ist nicht tot, er ist wiedergeboren in dem zweiten Fragenden, der heutzutage beispielhaft für doch den Großteil derer fragt, die nichts wissen. Wie können sie auch, sie sind gleich Kindern aus katholischem Haushalt. Denn der katholische Haushalt überspringt das Kind in den Kindern. Die „Dialektik der Aufklärung“ hat es wohl am meisterhaftesten beschrieben, die Rückkehr der Unvernunft, die Widergeburt Gottes, der wieder angefachte Mythos, aus dem Krieger gegen den Mythos – Aufklärung – selbst heraus. Die Kulturindustrie war wohl das am besten gewählte Beispiel um dies zu veranschaulichen. Befreit euch also von beidem Göttern, den des Christentums (oder wie man ihn sonst nennen will) und den des Kapitalismus, denn beide sind Glaube, Religion, Ideologie, Irrglaube – so wie jeder Glaube Irrglaube ist. 

Die zweite Wahrheit heißt hier „Jenseits von Gut und Böse“, dort „das Sein bestimmt das Bewusstsein“  oder sonst wie. Jede Wahrheit, jede Überzeugung, Moral und Sittlichkeit sind gesetzt. Gesetzt von der zu dieser oder jenen Zeit herrschenden Klasse. Das dies der Fall ist, liegt so sehr auf der Hand, wie die Haut, welche dieselbe umspannt. Wir sehen doch wie Gut und Böse, schlecht und recht, Sonne oder Erde, oder welche Wahrheit oder Überzeugung, welches moralische oder sittliche Gesetz auch immer man wählt, von Zeit zu Zeit, so unterschiedlich wahr, wie der Tag und die Nacht. Jedem Verurteiltem von heute, wäre vor 100 Jahren ein anderes und vor 1000 Jahren wieder ein anderes Urteil zugekommen, gut galt man hier als Sklavenhalter, dort als reicher Man, hier als der, welcher seine Kinder schlägt, dort als der, der sie liebt, die Beispiele erschöpfen alle Tintenfässer der Welt und es ist mir so unbegreiflich, ein so zerstörenden Gedanke, wie das nicht begriffen werden kann. Glauben diese Menschen allen Ernstes, so wie heute sei die Welt, weil so ihre wahre Wahrheit aussieht? Das die Welt, so wie sie ist, der wahren Natur des Menschen entspricht? Woher nehmen sie diese Überzeugungen? Etwa, weil sie es nicht anders kennen? SCHAUT EUCH DOCH UM! Es ist mir unbegreiflich! Es zerrreißt mich. Vor niemandem schäme ich mich so fremd, als vor dem Menschen! Wenn nur ein Mensch dies annimmt und erkennt, dass diese Welt eben nicht ist, was sie ist, dann sollte er aufspringen, sollte sich zur Sonne recken und Sagen: „diese Welt soll sterben, wie sie ist! Sie soll aus ihren Fugen fallen. Sie ist verkehrt, krank, von Gott besessen, von Irrtum, Gefälligkeit und Müßiggang zerfressen, sie ist schmutzig, und ekelhaft. Wir müssen gleich Kindern den Menschen schälen, bis sein innerster Kern zum vorscheinkommt. Wir müssen den ewigen Satz „immer gleich aber irgendwann besser“ überwinden, wir müssen das Gefäß auf den Boden schmeißen, bis es zerspringt, alles einschmelzen und von vorne beginnen. Sie sezieren. Aber niemals uns SO zufrieden geben. Wie konnten wir nur? Ich will sündigen - würde es helfen - für jede Arbeit die ich für diese Welt erhob, für jeden Stein, den ich in den Palast eines anderen hievte, denn es war nie zu gutem Grunde, als wenn ich es für mich und den Menschen tat, für jedes gesprochene Wort, aus dem es ‚Anpassung‘ schrie. Ich will wieder Kind sein!“. Dass die Menschen so nicht aufspringen lässt mir nur eine Erklärung: sie erkennen es nicht. „Sie machen ihr tägliches Tick-Tack und wollen, dass man es Tugend heißt“.

Die dritte Wahrheit ist meine neues: „wir sind Entdecker und wollen, dass ihr alles neu entdeckt!“. Und jetzt bin ich des Schreibens Müde. Es ist schwierig, eine Tautologie, immer und immer wieder erklären zu müssen. Denn eine Tautologie bedürfe keiner Erklärung.


Unterzieht mich eurer heftigsten Kritik.

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