Donnerstag, 23. Juli 2015

Jetzt



Beinah schwarze aber definitiv lockige Haare, meine grünen Augen, groß, in dem zerrissenen schwarzen Mantel. Wie sich trotzdem noch elegant meine eigene Figur darin ausmalte, meine Brüste, meine Hüften… Meine Lippen wund und rot, meine Haare tropfen nass auf meine Kleider herunter. So sah ich mein eigenes Spiegelbild an der riesigen Glaswand in der Halle, auf die zu betreten ich schon so lange gewartet hatte. Und darunter? Da standen sie. Endlich. Wie ein Meer aus Abermillionen bunt-leuchtenden Lichtern. Tausend verschiedenfarbige Flüssigkeiten abgefüllt in unzählige kleine Glasgefäße. In ihnen bewegten sich wie Fische weiße Schlieren im Kreis zufällig hin und her. Der bald helle, bald verhüllte Mond, warf wechselndes Licht auf die Gefäße und ließ sie traumartig leuchten. Da standen sie. Endlich. Endlich vor mir. Eine so unendliche Schönheit, die jedem Menschen Augen und Mund weit aufgerissen hätte. Doch wer um die Bedeutung dieser so unscheinbaren Schönheiten wusste, den Zwang es in die Knie. So saß ich da, kniend, vor mir ein Meer aus Lichtern, ich Roxanne mit Augen und Mund weit aufgerissen, stumm schreiend, vor dem, was ich so lange gesucht hatte, meine Arme über meinen Kopf geschlagen. Stumm schreiend, vor dem, was ich so lange gesucht hatte. Ich Roxanne. Meine Arme über meinen Kopf geschlagen, stumm schreiend, vor dem, was ich so lange gesucht hatte, meine Arme über meinen Kopf geschlagen. Ich Roxanne. Stumm schreiend. Vor dem was ich schon so lange gesucht hatte. Stumm schreiend, meine Arme über meinen Kopf geschlagen. So saß ich da, ich Roxanne. Eine halbe Ewigkeit und überwältigt und schockiert zu gleich. Mit Augen und Mund weit aufgerissen, stumm schreiend.

So sitzend vergingen Sekunden, bald Minuten, dann Stunden.

So sitzend vergingen Sekunden, bald Minuten, dann Stunden.

Plötzlich, wie aus seinem Traum herausgerissen überkommt mich Tatendrang. Ich war hier, ich hatte sie nach so langem Suchen gefunden. Ich wusste, was er mit ihnen machen konnte, ich wusste wozu sie gut waren, wofür er sie brauchte. Ich wusste, ich muss sie ihm wegnehmen. Wieso hatte ich mich nicht damit beschäftig wie? Die Frage kreiste durch meinen Kopf, wie Mücken um eine Lampe, laut summend, vernebelnd: WAS JETZT?
Ohne weiter zu denken nahm ich ein Messer aus meinem Gürtel und warf. In seiner Drehung blitzte es eins, zwei Mal das Licht reflektierend bunt auf, dann traf es ein grünes Gefäß. PENG! Das Gefäß sprang sofort auf, das Glas zersplitterte und es floss die grüne Flüssigkeit zuerst schnell, dann immer langsamer letztendlich quälend langsam heraus und auf mich zu. Wie versteinert folgten nur noch meine Augen dem mir immer näherkommenden Grün, bis es nur noch weniger Zentimeter, dann Millimeter von mir entfernt war. Und dann wurde alles schwarz.

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