Gerade
rechtzeitig noch den endlos lang scheinenden Bürgersteig, den Weg zur Arbeit
betretend - hinter ihm schlug der peitschende Zug des laut rasenden Autos Georg
seinen Schal ins Gesicht - wünschte, fragte er sich, wieso er nicht manchmal
ein paar Sekunden später nur die Straße verlassen könnte? Dann könne das Auto
ihn treffen, seinen stählernen käfig durchbrechen, der ihm manchmal so nah zu
kommen schien, ihm so eng vorkam, dass dir grauen Stäbe, wie Augenbinden ihn
erblindeten, es ihm unmöglich machten durch die Gitterstäbe hindurch den
Schlüssel zu sehen, nach ihm zu greifen, um sich selbst zu befreien. Doch er
erreichte den Bürgersteig (rechtzeitig). Lang, grau, eintönig ging der Weg
einfach geradeaus, sich anfühlend, wie von einer Schnecke gezogen voran. Als
müsste man ihr Zugseil einfach durchschneiden, um sich wieder schnell und frei
zu bewegen, nur am Griff in die Tasche, um das Messer zu zücken,schien es zu scheitern.
So lief er die Straße entlang, immer weiter, ohne Hoffnung, ohne Zeit, vor ihm thronten
die endlos hohen Mauern seines Arbeitsplatzes, grau und kalt, eintönig, ohne
ein einziges Graffiti, keine Farbe, alles schwarz und weiß. Und als sich die
hohen Tore öffneten erstreckten sich soweit das Auge reicht, kleine,
scheibenförmige, einst bunte Steine bis an den Horizont, die ersten Reihen
waren ganz und gar dunkel. Georg durchschritt diese, nahm den ersten Stein,
einer neuen Reihe und drehte die ehemalig farbige, für ihn nur noch aus Graustufen
bestehende Seite um – die andere zeigte Schwarz. Und so arbeitete er weiter,
drehte einen Stein nach dem anderen um, mühsam, langsam, ohne Hoffnung und ohne
Zeit, bis die Sonne rot unterzugehen begann, dann kehrte er um, nach Hause, zu
seiner Hausschnecke, seiner Wohnung im zehnten Stock, kam am nächsten Tag
wieder, drehte Steine, einen nach dem anderen um… und so lebte er hin.
ich habe gerade eben erst die geschichte gelesen. wow. sie ist wahrhaft grossartig.
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