Mittwoch, 17. September 2014

Teil 2 einer kleinen Geschichte

Passend zum Mittwoch jetzt der 2. Teil einer kleinen Geschichte. Ich habe den ersten Teil nochmal überarbeitet und deswegen auch nochmal dazugeschrieben:




Teil 1 einer kleinen Geschichte


Als Georg D. eines Morgens mühsamer als sonst aus seinem Bett stieg und zu aller erst, wie jeden Tag nach dem Aufstehen, die Gardinen vor seinem Fenster mit beiden Händen und Armen aufschob, schob sich gerade in dem Moment eine dunkle Wolke vor die Sonne, wie als wollte sie ihm, ganz anders als sonst, heute nicht guten Morgen sagen. Mit einem Schulterzucken jedoch diese kleine Traurigkeit beiseite schiebend, öffnete er das durchsichtige Gehege seiner Hausschnecke, um sie kurz heraus, an die frische Luft zu setzen. Doch statt Anzeichen zum Aufstehen zu machen, hustete die Kleine nur und drehte sich im Halbschlaf zur anderen Seite. Dennoch holte er die Essensreste heraus, Pflückte von dem nebenstehenden Gurkenbaum scherfällig die kleinste und legte sie der Hausschnecke zu Essen bereit hin. Jetzt schon etwas trauriger schlenderte Georg D. zum Kühlschrank, holte die Unterseite eines alten Brötchens heraus, legte vorsichtig die letzte Scheibe Schinken darauf, als er merkte, er hatte die Butter vergessen. Mühsam hob er den Schinken wieder ab, strich eine dünne Schicht Butter, damit der Rest noch für den Abend reichen würde und während er mit dem Schinken das Brötchen wieder bedeckte, schaute er auf die an der Wand hängende alte Uhr – Schon halb nach sieben, fast schon dreiviertel. Hatte ihn diese Unachtsamkeit, die Butter nicht sofort aufzutragen um seine Pünktlichkeit gebracht? Und was würde sein Chef dazu sagen?
  



 Teil 2 einer kleinen Geschichte


Als Georg D. noch am selben Tag auf dem Weg zur Arbeit vor die Türschwelle seiner Appartement-Wohnung in den Flur trat, wollte er gerade den offenen Aufzug betreten – normalerweise hätte er die Treppe genommen, doch auf Grund seiner Verspätung wegen der Butter musste er sich heute besonders beeilen – da kam aus der Wohnungstür neben ihm händchenhaltend ein Pärchen herausgeeilt, besetzte den Aufzug, drückte den erst grün, dann rot leuchtenden Knopf nach unten und die dicken Türen schlossen sich vor Georgs Augen. Georg, der noch halbherzlich einen Guten-Morgen-Gruß erwartet hatte, schleppte sich dann mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen die alte Treppe herunter, bis er endlich aus dem grauen Gebäude ins Freie an die Luft trat. Stadt-Smog umgab ihn, die bunt blinkenden Reklameleuchten strahlten ihm blendend entgegen. Ein Laden nach dem anderen machte immer die Konkurrenz übertrumpfen wollend für seine Produkte Werbung: der eine  für die grünsten und leckersten Äpfel, die Happiness-Love-Company für Glück und der Nächste für die rotesten und leckersten Äpfel. Doch mit einem kurzen Blick in seinen Geldbeutel stellte Georg fest, er konnte weder für Äpfel noch für Glück oder sonst etwas mehr als ein paar Münzen ausgeben und dafür würde man hier bestimmt nichts bekommen.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen