Teil 1 einer kleinen Geschichte
Als Georg D.
eines Morgens mühsamer als sonst aus seinem Bett stieg und zu aller erst, wie
jeden Tag nach dem Aufstehen, die Gardinen vor seinem Fenster mit beiden Händen
und Armen aufschob, schob sich gerade in dem Moment eine dunkle Wolke vor die
Sonne, wie als wollte sie ihm, ganz anders als sonst, heute nicht guten Morgen
sagen. Mit einem Schulterzucken jedoch diese kleine Traurigkeit beiseite
schiebend, öffnete er das durchsichtige Gehege seiner Hausschnecke, um sie kurz
heraus, an die frische Luft zu setzen. Doch statt Anzeichen zum Aufstehen zu
machen, hustete die Kleine nur und drehte sich im Halbschlaf zur anderen Seite.
Dennoch holte er die Essensreste heraus, Pflückte von dem nebenstehenden
Gurkenbaum scherfällig die kleinste und legte sie der Hausschnecke zu Essen
bereit hin. Jetzt schon etwas trauriger schlenderte Georg D. zum Kühlschrank,
holte die Unterseite eines alten Brötchens heraus, legte vorsichtig die letzte
Scheibe Schinken darauf, als er merkte, er hatte die Butter vergessen. Mühsam
hob er den Schinken wieder ab, strich eine dünne Schicht Butter, damit der Rest
noch für den Abend reichen würde und während er mit dem Schinken das Brötchen
wieder bedeckte, schaute er auf die an der Wand hängende alte Uhr – Schon halb
nach sieben, fast schon dreiviertel. Hatte ihn diese Unachtsamkeit, die Butter
nicht sofort aufzutragen um seine Pünktlichkeit gebracht? Und was würde sein
Chef dazu sagen?
Teil 2 einer kleinen Geschichte
Als Georg D. noch am selben Tag auf
dem Weg zur Arbeit vor die Türschwelle seiner Appartement-Wohnung in den Flur
trat, wollte er gerade den offenen Aufzug betreten – normalerweise hätte er die
Treppe genommen, doch auf Grund seiner Verspätung wegen der Butter musste er
sich heute besonders beeilen – da kam aus der Wohnungstür neben ihm
händchenhaltend ein Pärchen herausgeeilt, besetzte den Aufzug, drückte den erst
grün, dann rot leuchtenden Knopf nach unten und die dicken Türen schlossen sich
vor Georgs Augen. Georg, der noch halbherzlich einen Guten-Morgen-Gruß erwartet
hatte, schleppte sich dann mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen die alte
Treppe herunter, bis er endlich aus dem grauen Gebäude ins Freie an die Luft
trat. Stadt-Smog umgab ihn, die bunt blinkenden Reklameleuchten strahlten ihm
blendend entgegen. Ein Laden nach dem anderen machte immer die Konkurrenz
übertrumpfen wollend für seine Produkte Werbung: der eine für die grünsten und leckersten Äpfel, die Happiness-Love-Company für Glück und der Nächste für die
rotesten und leckersten Äpfel. Doch mit einem kurzen Blick in seinen Geldbeutel
stellte Georg fest, er konnte weder für Äpfel noch für Glück oder sonst etwas
mehr als ein paar Münzen ausgeben und dafür würde man hier bestimmt nichts
bekommen.
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