Samstag, 13. Juli 2013

Some dream she dreamed

Ich laufe langsam, bedächtig durch den schmalen Flur. Setze vorsichtig einen Fuß vor den anderen, trotzdem knarren die Holzdielen bei jedem Schritt. Das Haus kommt mir so unendlich bekannt vor, aber auch so unendlich weit weg von zu Hause. Ich vermisse zu Hause. Alles wirkt so erdrückend, die Wände scheinen sich zu bewegen, scheinen nicht dazubleiben, wo sie hingehören, immer vor und zurück, in einer fließenden Bewegung. Unecht fühlt sich alles an, als würde man träumen, zusammenhanglos, wie bin ich hier hergekommen? - Klingeln. Die Tür? Nein. Das Telefon? Ich laufe Richtung Wohnzimmer, aber nicht schneller, immernoch langsam und bedächtig, ein Schritt nach dem anderen. Das Wohnzimmer ist klein, ein alter Fernseher, eine kleine Couch und ein hölzener Tisch, viel mehr nicht. Ich hebe das Telefon auf, es klingelt immernoch, mein Finger liegt schon auf dem Knopf, aber ich drücke ihn nicht. Es hat aufgehört. Ich starre das Ding an. Adressliste. Nur Namen, die ich nicht kenne. Wer ist das? Was soll das? Ich versuche das Telefon umzustellen, wieder so, wie es sein muss, wie es sich gehört. Ich schaffe es auch. Plötzlich sind da Geräusche, als hätte jemand den Ton eingeschaltet und damit die Stille in dem leeren Haus durchbrochen. Der brummende Lärm der Motoren, wie in einer großen Stadt. Das Rauschen eines vorbeifahrenden Zuges, dann ein Flugzeug und über all dem, das Geräusch von spielenden Kindern. Kinder die Lachen, Kinder die weinen, Kinder, die schreien, reden, oder nur leise da sitzen und sich mit sich selbst beschäftigen. Ich gehe zum Fenster im Wohnzimmer und blicke hinaus. Auf einer Wiese am Lagerfeuer spielen Kinder im Dunkeln, sie rennen umher, lachen, haben Spaß, sehen so unbeschwert aus. Ich starre lange einfach nur aus dem Fenster, verfolge die Personen die dort unten sind, erkenne immer mehr von ihnen Miri und Mikklas, als er noch ganz klein war, Anni, Sveni, Meike... Ich bleibe einfach nur stehen beobachte die Szene im Mondlicht, verlier mich in ihr. Alle sehen genauso aus, wie auf dem Klassenfoto von vor war weiß ich wie vielen Jahren. - Plötzlich spür ich zwei Hände auf meinen Schultern, sie ziehen mich hart zurück. "Geh da weg! Das Darfst du nicht sehen" - Meine Mutter. Ich dreh mich vom Fenster weg, schaue auf das Telefon, das ich immer noch in meiner Hand halte. Die Adressliste ist immer noch die gleiche, falsche, nur das Datum, das ist anders: 31. Mai 2005...

4 Kommentare:

  1. Wow
    Ich hab mich so wundervoll in die Geschichte hineingefühlt und ich wünsche zu wissen wie es weitergeht, warum da dieses andere Datum ist... :)

    Oh, gut, dass sich das geklärt hat. Ja, es ist wohl immer eine etwas verwirrende Situation.

    Es ist nicht ganz klar ob es ein "Tag" (ich mag das Wort nicht)oder ein Blogaward ist, doch es wäre schön, wenn du die Fragen beantwortest und so weiter :)

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  2. Toller text, du kannst wirklich gut schreiben ! :)
    xo, e.

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  3. Du kannst wirklich verdammt gut schreiben :)

    LG

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  4. Danke ihr beiden, freut mich wirklich zu hören ;)

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