Es ist
wieder schlimmer geworden. Kriege diese Gedanken nicht mehr aus meinem Kopf.
Wach im Bett liegen, drüber nachdenken, was geht am schnellsten? Tabletten?
Deutscharbeit,
5./ 6. Stunde über Franz Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Die Szene auf dem
Friedhof, Melchiors Gedanken. Ich lese den Satz auf meinem Blatt wieder und
wieder, meine Augen bleiben immer wieder hängen, kann mich auf nichts anderes
mehr konzentrieren, versuche an was anderes zu denken, mein Blick schweift ab
ins Nichts. Ich frag den Lehrer, ob ich auf Toilette gehen kann, spritz mir
Wasser ins Gesicht, schaff es irgendwie die Arbeit zu Ende zu schreiben und abzugeben.
Mittagspause.
Mensa. „Hey, du wolltest mir noch erzählen, was vorhin war.“ Ihre Stimme, die
ganze Zeit neben mir, kann sie kaum richtig wahrnehmen. – „Jetzt nicht, ich
kann gerade nicht drüber…“ Alles fängt an sich zu drehen, Tränen steigen mir in
die Augen, der Gedanke bohrt sich wieder wie Nadeln in mich rein. Ich stell
mein Tablett auf den Tisch, lasse meinen Rucksack auf den Boden fallen, meine
Jacke daneben, fange an zu weinen, vergesse alles um mich rum, laufe wie betäubt
in Richtung Ausgang, die Hände vor meinem Gesicht, irgendwas vor mir her murmelnd…
Draußen, blauer Himmel, warme Sonnenstrahlen auf meiner Haut, der große Baum in
der Mitte blüht so schön grün, das warme Graß streichelt über meine Füße. Alles
dreht sich wieder, spüre, wie meine Beine anfangen nachzugeben, kann mich
gerade noch so ins Graß legen. Liege. Weine. Träume. Denke. Kreise. Ihre Hand
tastet langsam nach meinem Puls, streichelt mir über die Arme. Flüstert Entschuldigungen,
legt sich neben mich, drück mich, fängt an mir alles zu beschreiben was schön
ist, wofür es sich lohnt, ich Atme tief ein und wieder aus… langsam… besser.
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