Mittwoch, 18. November 2015

Nachtluft Frankfurts



Kino. Schöner Abend. Wir Schlendern lachend aus dem großen Saal und durch die hohen Glastüren und betreten den belebten Platz am Eschenheimer Tor. Reden, Schweigen, Lachen im angenehmen Wechsel, hatte beinah vergessen, wie es sich anfühlt mit neuen Menschen zu spazieren – schön fühlt es sich an, mit diesem Kitzeln und Prickeln. Die Ziffern zeigen 0:10; wir gehen langsam die so weiter man sich vom Kino entfernt immer leerer werdende Straße entlang in Richtung S- und U-Bahn Haltestelle „Hauptwache“. Hier ist es wieder lebendiger – der Weg eine schöne Mischung aus Schuh-Klick-Klack durch leere Straßen und Menschengewühle gleich Hummellauten, laut und leise, leer und lebendig. Ein Polizeiauto parkt in der Nähe des Eingangs, Menschen rennen zu ihrem Zug, andere rauchen gemütlich eine letzte Zigarette. Unten riecht es nach Gras, ich schmunzle.
„Hier ist das Betreten nicht erwünscht!“ – spricht steif ein Beamter.
„Aber wieso nicht?“
„Polizeieinsatz. Treten sie zurück.“
„Aber meine Bahn…?“
„Welche?!“
„Nach Friedrichsdorf, die letzte vor sieben Uhr morgens.“
„Sie wollen hier gar nicht runter.“
Auch andere versuchen sich an den Beamten vorbei zu argumentieren. Wir drehen um, ich begleite sie noch zur glücklicherweise später fahrenden Bahn nach Friedberg zur Konstablerwache und stehe dann alleine um 0:42 in der Nachtluft Frankfurts. Die ersten Lichter schon lange aus.


da es ganz gut passt, hier noch unser zweiter Song,
freut mich, wenn ihr mal reinhört.



Diesmal ist der Text vom Lied übrigens von mir... :)

Donnerstag, 12. November 2015

Illusions

Hey, wir haben unser erstes Lied/ Video veröffentlich. Würd mich freuen, wenn ihrs euch mal anhört :)


Bin übrigens der Bassist, und nicht der Sänger, der heißt nämlich auch Jan :D

Dienstag, 10. November 2015

Von Wahrheit und Gerechtigkeit



Ich war auf der Suche nach Wahrheit und habe nichts gefunden. Bin sogar den weiten und von Engeln begleiteten Weg zu Gott gegangen, nur um zu erfahren, dass Gott tot und seine Engel bloß Trugbilder sind. Also stand ich in einer leeren in Überfluss getränkten Halle. Aber was hätte auch Gott mir von Wahrheit erzählen können? Ist es denn wirklich gerettet sein, wenn man gerettet wurde – von Gott und seinen Predigern? Und auch die Prediger sind also nicht gerettet, sondern betrogen und jetzt für immer verloren in dem Wein der Kirche. So steht dieser Wein gleichsam für die größte Lüge! – wen soll Blut trinken genesen? – Das ist meine kleine Wahrheit.

Und auch war ich auf der Suche nach Gerechtigkeit. Und auch Gerechtigkeit konnte ich nicht finden und noch weniger erfahren. So ging ich den Weg durch die großen Tore des Staates, mit meiner Freunde Gelächter im Rücken – bloß kümmerte es mich nicht. Doch die Tore durchschreitend fand ich den Staat als Kirche und seine Politik als Gift und Religion – gehorchend machen. Auch das selbe Kreuz hing stolz und stolz getragen über seinem Haupt. Und auch hier war  Gott tot. Und im Ende behielt ich doch Recht: Gerechtigkeit ist Strafe und Strafe nichts als Rache. Dies zu beweisen ist mir der Mühe nicht wert, so der Beweis doch in allen Büchern des Staates gepredigt wird – so ist Gerechtigkeit Rache! – Das ist meine kleine Wahrheit.

Montag, 2. November 2015

Wenn auch nur für einige wenige Augenblicke


Ich liege bei dir, wie in einem Bett aus gefallenen, welk aber gold gewordenen Herbstblättern, so ruhig. Neben zwei starken, breitästigen Eichen liege ich so sicher mit der Gewissheit endlich angekommen, wie in einem Grab und auf verwelktem Laub. Menschen sprechen von der Ruh, schläfst du endlich im Grab; so bist du also mein Totenbett. Und wie Herbstwind mit dem Hauch eines Gefühls von Untergang oder Neubegin, kitzeln mich dann deine goldenen Haarspitzen, wenn dein Lächeln über mir hängt. Oh dieses Lächeln! Es spannt wie Jesus ans Kreuz, mich an eine Eiche, voller Willen an die Gewissheit endlich schlafen zu können. Ja bei dir geht der edelste meiner Wünsche in Erfüllung: tot sein zu können – wenn auch nur für einige wenige Augenblicke. Und ich ergötze mich an dem Neid derer, die nur Leben können und ekel mich um so mehr vor denen, die nichts als Leben wollen. Ja bei dir liege ich, wie in einem Bett aus gefallenem, welk aber gold gewordenen Herbstblättern, so ruhig – endlich im Grab. Wenn auch nur für einige wenige Augenblicke.

Sonntag, 1. November 2015

An einer Wiese_Text

Hier nochmal nur der Text:

An einer Wiese

Klick klack klingen deine weißen Schuh,
wie du durch die Straßen springst
noch Kind.
So geschwind singst du dein Lied vor dir hin.
Aber wieso so geschwind?
Ach, wo willst du hin?

Nimm dich in Acht vor den großen Mächtigen,
vor dein kleinen Gierigen.
Ja, nimm dich in Acht vor so viel,
denn so viel ist dir nie gesagt worden,
wird dir nie gesagt werden.


Aber wem erzähl ich das, du bist ja noch so klein und so frei.
Bist noch so Kind und kannst noch singen.
Wurdest noch nie gestochen, bist drum nicht blind.
Kannst und wirst noch so viel riechen und schmecken –
Aber nimm dich in Acht vor den Schmierigen, die nach dir lecken,
vor den Irrenden und Schrecklichen.

Aber wem erzähl ich das, du bist ja noch so klein und so frei.
Du kannst noch an dieser Wiese sitzen
und ohne schreien dichten.
Oh, wie deine Augen blitzeln,
bist ein glitzernder Stein, so frei, so klein, so eins.

Aber wem erzähle ich das,
ich wäre ja selber gerne du - so klug!
Was erzähl ich dir da von mir?
Du solltest uns ja noch gar nicht hören.
Sei erstmal bei dir.
  
   -  An einer Wiese, als es noch recht dunkel war, Jan van Dick