Donnerstag, 3. September 2015

Teil 1.4


So stand ich nun also in dem Gang. Das einzige aber nur schwache Licht kam aus den Türfenstern am Ende des linken Flügels, während rechts eine Treppe zu weiteren Arbeits-, Produktions- und Lagerräumen führte. Ich war dankbar für das von außen kommende innen alles bläulich erhellende Mondlicht, das mich wenigstens meine Hand, zwar wie durch Nebel, aber immerhin silhouettenhaft vor den Augen erkennen ließ. Nähme man den Ton einfach fort, entfernte man also die von außen kommenden Schreie, Rufe und Sirenen, ergäbe die Szenerie sicher ein schönes Titelbild zu Eichendorfs Mondnacht.
Ich schlich mich also den Gang herunter Richtung Tür. Alles so leer, so verlassen, nur draußen, hinter einer einzigen Wand erklang das laute Getrampel und die Rufe. Mich beschlich langsam ein ungutes Gefühl. Wieso war hier noch niemand? Es müsste doch bekannt sein, in welchem Gebäude der Alarm ausgelöst wurde… Und doch, hier drinnen? Alles leer. Alles leer.
Ich wollte gerade die Tür nach außen öffnen, meine rechte Hand lag schon auf dem kalten Stahl des Henkels mein Rücken schützend an die Wand gedrückt (was draußen geschah war nicht zu erkennen, dazu hingen die Fenster zu hoch) da packte mich ein Gedanke: Ich drehte mich wieder um, sprintete an der Wand entlang durch den Gang, die Treppe hinauf, immer mindestens zwei Stufen gleichzeitig nehmend und schaute aus einem Fenster auf den Platz vor der Tür, aus der ich eben fast aus Naivität blind geschritten wäre.
In zwei Halbkreisen standen Graue Männer mit Pistolen auf eben jene Tür gerichtet und weitere hunderte rannten über den Platz. Alles schien in heller Aufruhr: Bewegliche Flutlichter schienen über den kalten Betonboden zu rasen und über unzählige Lautsprecher wurden die Grauen Männer über den Platz und durch die dunklen Gänge zwischen den übrigen Gebäuden gejagt um mich zu suchen.

3 Kommentare:

  1. Spannend und schön! Vor allem die Stelle mit dem Mondschein. :-)

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  2. Ja, vll würde ich mir dann das Leben zurück wünschen, aber das Leben bringt mir nichts, wenn ich gerade absolut damit überfordert bin. Dann kann ich es weder genießen, noch die Zeit nutzen.

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