Eine kleine Tablette liegt in
meiner Hand. Um genau zu sein, eine halbe. Einige Krümel liegen um sie herum.
Sie ist Pink. Vor mir auf dem Tisch der Küche, die ich erst gestern das erste
Mal betreten hatte steht ein Glas Wasser. Ich strecke meine Hand nach ihm aus.
Heute zittert sie nicht mehr, das war letztes Mal noch anders gewesen. Ich
nehme einen großen Schluck, dann einen zweiten, aber den zweiten schlucke ich
nicht sofort herunter, sondern lasse das Wasser in meinem Mund. Ich schaue zur
Decke, öffne ihn und werfe die Tablette hinein. Dann schluck ich alles
herunter. Die an meiner Hand übriggebliebenen Reste lecke ich mit der Zunge ab
und spüle den ekelhaft bitteren Geschmack mit einem weiteren Schluck herunter.
Dann gehe ich die Treppe nach oben.
Samstag, 29. August 2015
Freitag, 28. August 2015
Honey in the hair
Mir ist alles so müßig geworden. Das Laufen, das Fahrradfahren.
Autos machen Bequem. So müßig. Arbeiten, Beschäftigung. Freizeit macht bequem
und fühlt sich so träge an zu gleich, so zähflüssig wie Honig. Honey in the
Hair. Verfallen der Lasterhaftigkeit. Der Langeweile. Langeweile ist aller
Laster Anfang. Bin des Abschreibens, des Aufwands, des Denkens so überdrüssig
geworden, aber denke und schreibe dennoch. Es fühlt sich an, als flossen durch
meine Venen nicht Blut sondern Quecksilber, schwer. Unendlich schwer. Des
Trainings, der Übung, dem Organisieren, dem allem so überdrüssig geworden. Und
all den anderen, begegne ich mit Ehrfurcht, Bewunderung oder Ekel, so ganz
entscheiden, da zu ist es mir zu müßig geworden, kann ich mich noch nicht. Auch
der Moral so überdrüssig geworden. Deswegen sitze ich jetzt hier und trinke
roten Wein und rauche Zigaretten, höre alte Lieder, die ich schon zu gut kenne,
damit nicht auch das neu Kennenlernen, das Zuhören zu sehr mich anstrengt.
Dienstag, 25. August 2015
Teil 1.3
Ich habe Kopfschmerzen.
Das Pfeifen und Klirren aus meiner Vorstellung hat sich zu lauten Sirenentönen
verwandelt. Ich liege auf dem kalten Steinboden umgeben von der grüner
Flüssigkeit. Durch die Wände hindurch höre ich neben den Sirenen jetzt auch
Schreie und Rufe, Fußgetrampel.
So wachte
ich auf. Wie aus einem Traum, aus dem man sich nicht sicher ist aufwachen zu wollen.
Langsam drückte ich meinen Oberkörper nach oben und stand auf, meine Kleidung
und Haare jetzt nass von dem Grün. Ich zitterte. Meine Beine konnten sich kaum
halten, mein Kopf unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Meinen Arm herunter,
bis in die Hände und die Fingerspitzen schüttelte es mich. Die Schreie wurden
lauter, überdeckten fast die durch das ganze Gebäude schallenden Sirenen. Und
schleichend langsam überkam mich das Bewusstsein, wem die Schreie galten.
Schleichend langsam. Schleichend langsam. Und dann, wie auf einen Schlag hörte
das Zittern auf, mein Kopf fasste wieder klare Gedanken, meine Beine fanden
wieder halt. Und das Wort „Flucht“ brannte sich wie ein Mal als Ziel vor meine
Augen.
Durch die einzige
Tür in der großen Halle schlich ich mich heraus, aber bevor sie zufiel und das
bunte Licht der Gefäße verschluckte, denn in dem Gang draußen war es dunkel,
schaute ich noch einmal auf das zurück, was ich so lange gesucht und jetzt
würde verlassen müssen. Ich wusste nicht, was passiert war, als ich mit meinem
Messer das Glas des einen Gefäßes zerbrochen hatte. Aber zu groß war meine
Angst, noch einmal in solch einen Traum geschmissen zu werden, das Bild der
plötzlich stumm umkippenden Frau zerriss immer noch immer wieder meine Gedankenströme, mit der bitteren Ahnung,
es könnte wahr sein, was ich gesehen hatte. Es könnte meine Schuld sein. Ich
drehte unter dem ständig fortwehrenden Tönen der Sirenen und Menschenrufen mich
weg, ließ die Tür zufallen und betrat den dunklen Gang.
Sonntag, 23. August 2015
What I wanted to be.
So. Endlich meine erste Aufnahme. Kurzer Text, aber diesmal auf englisch.
Der Text stammt übrigens aus der selben Reihe Texte/ Gedichte, wie die letzten vier. Alle vier sind nämlich auf dem BDP Sommercamp "Nature People Politics" Anfang diesen Monats entstanden, als ich mal etwas Ruh hatte und unter einem schönen Baum Zeit zum Schreiben fand.
viel Spaß beim hören :)
https://www.youtube.com/watch?v=4N-JZyUEGSo
Der Text stammt übrigens aus der selben Reihe Texte/ Gedichte, wie die letzten vier. Alle vier sind nämlich auf dem BDP Sommercamp "Nature People Politics" Anfang diesen Monats entstanden, als ich mal etwas Ruh hatte und unter einem schönen Baum Zeit zum Schreiben fand.
viel Spaß beim hören :)
https://www.youtube.com/watch?v=4N-JZyUEGSo
Mittwoch, 19. August 2015
Abendstimmung
Kippen Rauch, Laternenlicht
von Fern her dringt noch Jazzmusik.
Stimmen, die die Nacht erfülln
Als dünner Rauch mich weiß umhüllt.
Dienstag, 18. August 2015
Gibst du mir deine Hand?
Gibst du mir
deine Hand? Bitte?
Ich bin so
alleine.
Sie
antworten im Chor: „Wir sehen es nicht. 896 Facebook-Freunde.
Du brauchst
unsere Hand nicht!“
Gibst du mir
deine Hand? Bitte?
Ich bin am Erfrieren.
Sie antworten
im Chor: „Wir sehen es nicht. Du trägst einen warmen Mantel.
Du brauchst
unsere Hand nicht!“
Gibst du mir
deine Hand? Bitte?
Ich bin am Brennen.
Sie
antworten im Chor: „Wir sehen es nicht. Du stehst im kalten Wasser.
Du brauchst unsere
Hand nicht!“
Gibst du mir
deine Hand? Bitte?
Ich bin am
Verhungern.
Sie
antworten im Chor: „Wir sehen es nicht. Vor dir steht ein Teller mit Essen.
Du brauchst unsere
Hand nicht!“
Gibst du mir
deine Hand? Bitte?
Bitte.
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