1.
Er sitzt in einem Stuhl, nach vorne
gerichtet, versunken in seinen Gedanken. Sie sitz etwas weiter hinten,
beschäftigt sich mit diesem und jenem.
Wie sie da steht
und malt. Im sanften Takt zu „Us and Them“ durch feine Striche ihren Figuren
Gesichter gebend. Da streichelt sie sich vorsichtig mit ihrem blassen
Handrücken – um ja nichts mit der Farbe zu beschmieren – die leicht gelockten
blonden Haare aus den so anmutigen Zügen ihres Gesichtes. Ja. Wie die Sonne
dabei ihren schlanken Körper bis zu ihren nackten Füßen in Gold einzuhüllen
scheint. Wie sie da steht. Und Malt. Mit den Ölfarben auf einem hölzernen
Tableau in ihrer rechten und dem feinen Pinsel in ihrer linken Hand.
Sich plötzlich zu ihr umdrehend.
Stört sie
wohl der Schatten des Baums? Oder der der Wolken? Immer hin und her ziehend.
Dann ist das Bild doch mal dunkler und mal heller von den Schatten, oder nicht?
Sich wieder
verlierend. Ach. Malen. Ist das nicht ein schönes Wort? Malen? Ich könnte
es 364 Mal vor mir her sagen und doch jedes Mal etwas anderes darin hören; das
Rauschen der Meereswellen, Vögelzwitschern, milden Spätsommerwind und das
dumpfe verhallen von entfernten Echos. Bamm Bamm Bamm Bamm Bamm
Sich wieder zu ihr drehend.
Wieso malst
du nicht?
Was? Wieso ich nicht male. Weiß nicht, mach ich halt nicht. Was redest du da
eigentlich? Du bist ja ganz philosophisch. Sie lacht ironisch
Man darf
doch auch mal philosophieren. Siehst du? Immer nur durch die Straßen rennen tu
ich. Von einer Stadt in die andere. Flugblätter schreiben, rennen, schreien um
die Freiheit und dann wieder rennen. Da darf ich doch ein Mal einfach hier
stehen, nach vorne schauen und mich in meiner Phrase verlieren. Wieso malst du
nicht?
Also? Wieso?
Wieso malst du nicht?
Okay, wieso
ich nicht male? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich hab es nie probiert.
Vielleicht kann ich es nicht. Nicht malen, meine ich. Mich in etwas verlieren,
mich voll und ganz hingeben. Ich glaube das ist Das Problem. Wer sich nicht
komplett hingeben kann, der kann auch nicht malen. Siehst du? Ich stehe gerne
an dem plätschernden Bächen und halte meine bloßen Füße hinein. Aber stets nur
um sie zu kühlen, nicht um zu verweilen. Ich laufe gerne, aber nie um des
Laufens wegen.
Immer wegen
was anderem. Ich singe gerne, aber um die Leute zu beeindrucken, nicht für mich
weil ich mich im Singen verliere. Verstehst Du? Aber du bist da anders. Wenn du
mit den Anderen durch die Straßen rennst, bist du nicht wie ich. Du machst es,
und gibst dich dafür hin. Und das bewundere ich an dir. Du könntest malen…
Hm,
ich weiß ja nicht. Ich glaube mich stören die Schatten. Und ich glaube solange
die einen stören verliert man sich nicht ganz in einer Sache. Die Frau, die da
steht in ihrem Kleid und ihren nackten Füßen und das Bild malt… Sie stören die
Schatten nicht.
2.
Von unten hört man zwei Jungen rufen.
Fabio: Ey! Komm raus! Wir warten schon
die ganze Zeit! Aber zieh dir
Bitte was an. Lacht.
M: Ja bitte, schließlich heißt du nicht Adonis.
Beeilen solltest du dich
aber
trotzdem. Sonst bleibt kein Zug mehr für dich übrig. Beide lachen.
Fabio: Wir warten!
M:
Ist das Pink Floyd, was ihr da hört. Also Bildung könnten wir ja
Schon gebrauchen. Aber normale Menschen sind wir auf keinen.
Also, was ist jetzt, beeilst du dich?
3.
Unten
angekommen, Szene vor dem Haus.
Ist ja schon
gut. Hier bin ich. Und jetzt geb mal nen Zug. Ja, das ist Pink Floyd und von
uns kannst du die Bildung am besten gebrauchen. Nimmt einen langen Zug. Die Wolken sehen nach Regen aus, oder?
Also Fabio. Was ist jetzt, wo treffen wir uns?
Also Fabio. Was ist jetzt, wo treffen wir uns?
Fabio: In der alten Fabrik. Die anderen
machen schon Feuer. Damit du nicht
frierst.
Die drei
rennen los
Au revoir.
4.
Fabio:
Wir sind ein Teil von jener Kraft
Die ihr so fürchtet,
die ihr so hasst.
M:
Die zerschlagen, verbrennen und schwarz
sich kleiden
Fabio:
Brutal sind, ungebildet und nur die
Reichen beneiden.
Mit denen
kann man oh nicht diskutieren.
M:
Ist was die Leute sagen, während sie sich
pikieren
Mal ernst mit uns zu reden
Fabio:
Denn wir sind ein Teil von jener Kraft
Die euch
diesen Himmel ohne Wolken schafft!
M:
Für euer rosa rotes Kuschelleben
Arbeit, Heirat und Kinder kriegen
Dann
schlafen, essen, sterben?
Euer
Paradies auf Erden?
Fabio:
Wir sind ein Teil von jener Kraft
Die mit diesem Stein uns zu freien Menschen
macht.
Die mit
dieser Faust eure Mauer aufbricht
M: Das rot und das schwarz der
Farnen euch schon in den Augen sticht
Fabio: Maskiert, vermummt, ja, doch fragt
ihr nie nach Grund
Ihr hab euch abgefunden,
seid tief entspannt
M: Brauchtet nur eine Seite, die
habt ihr die Böse genannt
Ihr seht wie
durch ein Schlüsselloch eurer beschränkten Realität
Nehmt nur
noch war, eine begrenzte Identität.
Fabio: Denn wir sind ein Teil von jener
Kraft
Die
mit diesem Stein uns zu freien Menschen macht.
M bleibt
schnaufend stehen.
Haha, du
rauchst einfach zu viel Alle lachen
M:
Ich? Auf Fabio zeigend. Der
kifft zu viel.
Fabio: Was sollte eigentlich die Zeile mit den
Wolken? Die hast du noch
Nie gesagt.
Wahrscheinlich
nur, weil die Wolken heut so tief hängen.
Fabio:
Haha, du denkst zu viel kleiner. Kommt
die anderen warten.
M:
Jetzt müssen wir uns beeilen, weil er
Pink Floyd hörend liebe macht und
und sich zu
langsam anzieht?
ich bin sprachlos. wirklich jetzt. (es hat sich gelohnt zu warten bis der perfekt zeitpunkt kommt, um diesen eintrag zu lesen!) du kannst so gut mit worte spielen. jeder satz hört sich richtig an. jede phrase klingt in meinem kopf. wie musik. ich bin begeistert. ♥
AntwortenLöschenWow. Ich habe mich heute seit langer Zeit wieder dem Bloggen gewidmet, und so kam es, dass ich hier auf deinem Blog gelandet bin. Deine Texte sind unglaublich. Solche, die man sich immer wieder durchliest und die einem lange in Erinnerung bleiben werden. Ich möchte gerne mehr von dir lesen, deshalb folge ich dir jetzt :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße :)