Montag, 23. September 2013

Frei

Kindergruppe ist zu Ende. Ich winke noch dem grünen Auto hinterher, in dem das letzte Kind wegfährt. Von Waldrand aus Richtung Stadt.
Ich setzte meinen Rucksack auf, fange an zu laufen, vom Waldrand aus Richtung Stadt. Ich betrachte meine Füße beim gehen. - Es stimmt, ich knicke etwas nach innen. - Dann blicke ich auf. Über das Feld, runter auf unsere kleine Stadt, im Hintergrund, auf der anderen Seite die Berge des Taunus im Nebel. Alles scheint so klein, so still, so schön.
Ich setze mich hin, in das nasse Gras, der Rucksack immer noch auf meinem Rücken, der rote Boomerrang immer noch in meiner Hand. Ich schaue über die Stadt, höre den Vögeln zu, wie sie zwitschern, singen. Wovon? - Höre das Geräusch von vorbeifahrenden Autos, die Taunusbahn hupt, nähert sich langsam schlängelnd dem Bahnhof. Ich blicke über die Dächer, manche sind rote, andere Schwarz, so verschieden, so gleich. Zähle die Hochhäuser, obwohl ich genau weiß, wie viele es sind. Vor mir fliegt eine Mücke, ich beobachte sie, schaue ihr noch hinterher, bis ich sie nicht mehr sehen kann, weil sie zu klein ist. Oder nur zu weit weg?
Das alles ganz langsam, fließend. Einfach dasitzen, mit freiem Kopf. Die Natur genießen. Abschalten. Einatmen, ausatmen...
ich sitze noch da, lange da. Dann stehe ich auf, gehe vom Waldrand aus Richtung Stadt nach Hause. Ein Schritte vor den anderen.
...

Sonntag, 8. September 2013

Warum?

sorry, eigentlich wollte ich heute den nächsten Teil von dem Märchen veröffentlichen, aber ich kann gerade irgendwie nicht dran schreiben, ich hoffe ich schaff es bis nächsten Sonntag :)


Wir sitzen zu zweit auf der Rückbank, zwischen uns steht die Schüssel roher Teig. Mittlerweile nur noch halb voll - einfach zu lecker. Wir hatten zu Hause keine Zeit mehr den Kuchen zu backen. J. fährt und sitzt vorne, er hat gerade den Disney Soundtrack angemacht. Ich kenne die Lieder nicht, hab nie viel Disney geguckt in meiner Kindheit. J. und A. machen sich darüber lustig und erklären mir aus welchen Filmen die Lieder kommen. Dann Schweigen. Wir. Halte ihr Hand. Ihre warme Hand. So weiche Haut. Wie froh ich bin, dass wir uns mal wieder länger als eins, zwei Stunden sehen. Sie holt ihr Handy raus. Lässt meine Hand los. Ich lehne mich an die Fensterscheibe, beobachte die vorbeifliegenden Bäume. Mein Handy liegt zu Hause im Wohnzimmer, hab es liegen gelassen. Eigentlich froh drüber.
Sie hält mir ihr Handy hin. - Ihr Blick. 

"Warum?"

 Steht in unserem Chat, das Bild von mir mit der blauen Mütze als Hintergrund, das Bild, das sie so mag. In meinem Körper zieht sich sofort alles zusammen. Ich kann nicht anders. Schreibe nur ein Fragezeichen zurück. Ich versuche ihr in die Augen zu schauen. Ihr Blick tut mir so unendlich weh. Natürlich weiß ich, was sie meint! Ich sitze genau so, dass sie es sofort sieht! Wieso, hab ich mich nicht nach vorne gesetzt?! Wieso nicht einfach auf die andere Seite? Wieso hab ich nicht wenigstens eine Jacke drüber gezogen? 
Sie schreibt "Arm" zurück. Ich blende alles andere aus, die Musik, Johannes. Alles tut weh, die feinen roten Striche brennen. Wieso musste sie es sehen? Sie braucht sich keine Sorgen machen. Ich komm schon klar. Jedem anderen könnte ich sagen, ist nichts schlimmes, ihr nicht. Sie soll es nicht wissen. 
Ich versuche es zu leugnen - Dumm! - versuche so überzeugt wie möglich "Nein" zu sagen. Doch sie weiß es. Weiß es ganz genau. Sie kennt mich, kennt mich zu gut. Ich leg meinen Kopf auf ihre Schulter, vergrabe mein Gesicht in ihren Haaren, flüstere ihr ins Ohr, dass es mir Leid tut. "Wieso sagst du denn nichts?" Ich antworte nur - "Später, nicht jetzt im Auto, okay?".
Sie guckt weg aus dem Fenster, nimmt aber meine Hand, hält sie fest. Hält sie ganz fest. Mir tut es Leid, so Leid, so Leid...  so Leid

Sonntag, 1. September 2013

Der Schöne Mann.


Einst liebte er eine wunderschöne Frau, die ebenso hübsch und schön war, wie er selbst, vielleicht sogar noch etwas hübscher und noch etwas schöner.
Sie lebten in einem wunderschönen alten, Efeu-bewachsenen Haus mit einem riesigen Garten, der die beiden an Schönheit noch übertraf. In diesem Garten wuchsen alle Arten der schönsten Blumen, Sträucher und Bäume, die du dir nur irgendwie vorstellen könntest: Tulpen, Hyazinthen, Nelken, Stiefmütterchen, Lupinien, Veilchen und – Rosen. Große, duftende Rosen, die das Herz des Garten bildeten und in ihrer vollen Pracht um einen marmornen Springbrunnen wuchsen. Diese Rosen, die nirgendwo anders auf der ganzen Welt wuchsen, außer in der Mitte dieses Gartens, neben dem weißen Brunnen der Ewigkeit und Schönheit, waren besondere Rosen. Blaue Rosen. Blau waren sie, weil sie das Werk der Frau alleine waren und weil es ihr Werk alleine war nannte man die Rosen auch Marie-Rosen, denn so hieß auch ihre Schöpferin.
Dieser Garten war der größte Schatz der Liebenden, doch sie wollten ihren Schatz mit allen teilen und darum umgab zwar eine Hecke ihr Grundstück, aber prachtvolle Rosen und allerlei anderer Blumen sprossen aus ihr heraus und luden dazu ein den umrankten Torbogen zu durchschreiten und in das 'Paradies' einzutreten.
Die Frau und der Mann verlangten nie etwas von ihren Besuchern, die Freude und Bewunderung in den Augen der Kinder, die herum sprangen und der Erwachsenen, die im Duft der Blumen lasen, genügte ihnen völlig. Tag und Nacht gingen Menschen in dem Garten ein und aus. Und ob sie vorher fröhlich, zornig, wütend oder traurig waren spielte keine Rolle, denn sie gingen alle als glückliche Menschen durch den Blumen-umrankten Torbogen aus dem Garten hinaus, nach Hause.