Freitag 00:09 ich stehe vor deinem
Haus. Ein leicher Wind lässt mich zittern und den kalten Regen mir
in den Nacken wehen. Ich blicke die Hauswand hinauf vorbei an all den
Fenstern hinter denen sich für mich nichts als Leere zwischen
Wänden, leere Geschichten und leere Gestalten befinden, frage mich
kurz, ob sich nicht bald, eines Tages hinter einem dieser Fenster
eine Geschichte mit Inhalt füllt, ob nicht bald eins dieser Zimmer
Farben bekommt, Gerüche und Töne, verwerfe diese Gedanken wieder,
denn was ist ein neues Fenster gegen deins? Ich blicke die
Hauswand hinauf bis mein Blick an deinem Fenster ankommt, ein Weile
bleibe ich so stehen, immer noch im Regen, denn unter dem Vordach
kann ich dein Fenster nicht sehen, ich stelle mir die Farben vor, die
Postion deiner Möbel, den Geruch, stelle mir die Musik vor, an die
es mich erinnert – dein Zimmer. Ich senke meinen Blick, schließe
meine Augen, lasse noch einige 100 – oder sind es mehr? wie viele
fallen wohl auf dich herab in so einem Moment, in dem du aus einer
Art Starre erwachen musst, bis du dich endlich wieder bewegst? –
Regentropfen auf mich herab fallen, atme einmal, nein zweimal, so
schnell geht es nicht, tief durch, bis ich meine Augen öffnend auf deine
Haustür zulaufe. Ich finde viel zu schnell dein Klingelschild,
schalte, obwohl ich schon längst hätte klingeln können, zuerst das
Licht an – wieso, es ist doch hell genug? – ziehe meinen rechten
Handschuh aus – wieso, kann man Klingelschilder nicht drücken,
wenn man Handschuh trägt? - berühre langsam das Plastik unter dem
dein Name steht, dass die feinen Linien meines Fingerabdrucks der
einzige Beweis bleiben, dass ich hier war, aber drücke noch nicht,
als ich an deine Worte zurück denke. Es ist schon komisch, eben
stand ich noch am Bahnhof, das orangene Laternenlicht lag und
spiegelte sich so schön auf den nass-geregneten Steinen und
Bahnschienen, dass ich nicht anders konnte als das Bild für den
Augenblick als das höchste aller Ästhetik zu denken und jetzt stehe
ich vor einem Klingelschild, höre deine Stimme und ziehe meinen
Handschuh wieder an. Warum? Weile es an mir lag und ich kein
Schauspieler bin, ich spiele nicht mit dem Herz, sondern mit dem Kopf
und kann manchmal nicht fühlen, sondern nur denken, nicht spontan
sein, sondern nur planen.
Ich laufe zurück, bald sehe ich
Bahnschienen, es sind nicht dieselben, aber das orangene
Laternenlicht liegt und spiegelt sich so schön. Ich hätte dich
gerne gesehen und dieses Leid bleibt für den Augenblick das Schönste
alle Ästhetik. Kann ich dich nicht sehen? Bitte?