Mittwoch, 9. November 2016

Kann man Klingelschilder nicht drücken, wenn man Handschuh trägt?

Freitag 00:09 ich stehe vor deinem Haus. Ein leicher Wind lässt mich zittern und den kalten Regen mir in den Nacken wehen. Ich blicke die Hauswand hinauf vorbei an all den Fenstern hinter denen sich für mich nichts als Leere zwischen Wänden, leere Geschichten und leere Gestalten befinden, frage mich kurz, ob sich nicht bald, eines Tages hinter einem dieser Fenster eine Geschichte mit Inhalt füllt, ob nicht bald eins dieser Zimmer Farben bekommt, Gerüche und Töne, verwerfe diese Gedanken wieder, denn was ist ein neues Fenster gegen deins? Ich blicke die Hauswand hinauf bis mein Blick an deinem Fenster ankommt, ein Weile bleibe ich so stehen, immer noch im Regen, denn unter dem Vordach kann ich dein Fenster nicht sehen, ich stelle mir die Farben vor, die Postion deiner Möbel, den Geruch, stelle mir die Musik vor, an die es mich erinnert – dein Zimmer. Ich senke meinen Blick, schließe meine Augen, lasse noch einige 100 – oder sind es mehr? wie viele fallen wohl auf dich herab in so einem Moment, in dem du aus einer Art Starre erwachen musst, bis du dich endlich wieder bewegst? – Regentropfen auf mich herab fallen, atme einmal, nein zweimal, so schnell geht es nicht, tief durch, bis ich meine Augen öffnend auf deine Haustür zulaufe. Ich finde viel zu schnell dein Klingelschild, schalte, obwohl ich schon längst hätte klingeln können, zuerst das Licht an – wieso, es ist doch hell genug? – ziehe meinen rechten Handschuh aus – wieso, kann man Klingelschilder nicht drücken, wenn man Handschuh trägt? - berühre langsam das Plastik unter dem dein Name steht, dass die feinen Linien meines Fingerabdrucks der einzige Beweis bleiben, dass ich hier war, aber drücke noch nicht, als ich an deine Worte zurück denke. Es ist schon komisch, eben stand ich noch am Bahnhof, das orangene Laternenlicht lag und spiegelte sich so schön auf den nass-geregneten Steinen und Bahnschienen, dass ich nicht anders konnte als das Bild für den Augenblick als das höchste aller Ästhetik zu denken und jetzt stehe ich vor einem Klingelschild, höre deine Stimme und ziehe meinen Handschuh wieder an. Warum? Weile es an mir lag und ich kein Schauspieler bin, ich spiele nicht mit dem Herz, sondern mit dem Kopf und kann manchmal nicht fühlen, sondern nur denken, nicht spontan sein, sondern nur planen.
Ich laufe zurück, bald sehe ich Bahnschienen, es sind nicht dieselben, aber das orangene Laternenlicht liegt und spiegelt sich so schön. Ich hätte dich gerne gesehen und dieses Leid bleibt für den Augenblick das Schönste alle Ästhetik. Kann ich dich nicht sehen? Bitte?

Sonntag, 30. Oktober 2016

Runaway Kids


"I'm gonna run away from you
so catch me if you can
the birds don't sing no more
you shot them all down"

Coffeeshoppers - Runaway Kids



Samstag, 22. Oktober 2016

Gar nicht?

Bald zerreißt meiner blutverschmierter Hände Anblick mir die Sinne.
Bin ich, helf ich, lieb ich denn gar nicht?
Bald tanzend, bald taumelnd, dann schreitend, nun wankend
fällst du in meine blutverschmierten Hände.


Mittwoch, 12. Oktober 2016

Aphorismen


So hat doch jeder die Erbärmlichkeit seines Umfelds nötig, um sich über seine eigene Erbärmlichkeit hinwegzusetzen.

Jeder Mensch ist Egoist - in dem Sinne, dass in DER Gesellschaft jeder mehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und aus dem Vorteil des Einzelnen der Vorteil der Gesellschaft folgen soll. Ziel ist es den Vorteil der und für die Gesellschaft zu dem eigenen zu machen.

Jetzt ist der Egoismus das Erbärmlichste am Menschen, später das Reichste.

Positive Aufhebung - Die meisten Menschen sind wie Steine, nur einige wenige stolzieren auf ihren Rücken. Ziel sollte es nicht sein, alle zu Steinen zu machen, nur ohne die Stolzierenden, sondern, dass alle zu Stolzierenden werden, es keine Steine mehr gibt und wir auf Sand gehen.

Der Unterschied zwischen Rausch - der eine lässt das Ich zum Es werden, der andere das Es eigenwillig gebärden. Das eine emanzipiert das Es, das andere entfremdet das Ich.

Entfremdung und Emanzipation - so wie jede Entfremdung eine Selbstentfremdung ist - denn das ist die Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft (wir entfremden uns selbst) - ist jede Emanzipation eine Emanzipation durch und für das Selbst.

Dienstag, 27. September 2016

Vielseitigkeit



Wir Menschen nehmen Rollen an. Auf der Arbeit setzen wir ein anders Gesicht auf, als unter Freunden. Beim Studieren oder in der Schule, benehmen wir uns anders, als auf einer Party. Sogar bei verschiedenen Freunden sind und spielen wir anders. Vielleicht kleiden wir uns anders, vielleicht trauen wir uns manche Gefühle von uns nicht preiszugeben. 







Aber warum tun wir das? Sind wir überhaupt irgendwo selbst? Wäre es schlimm, wenn nicht? Kann Rollen annehmen vielleicht auch schön sein? Oder wichtig um die richtigen Eindrücke zu machen? Aber dann, wieso sollte „selbst-sein“ ein falscher Eindruck sein? Warum denken wir uns manchmal von unserer „besten Seite“ zeigen zu müssen und trauen uns dann nicht unseren Freunden zu zeigen, dass wir auch mal Spießer sind?





Fotos von Maxine Laß. Locations: Uni Campus Westend, Uni Campus Bockenheim, Altsachsenhausen (Kneipenviertel), Willi-Brand Platz (Städtische Bühnen)
 



Sonntag, 25. September 2016

Privateigentum und Kommunismus



„3. Der Kommunismus als positive Aufhebung des Privateigentums als menschlicher Selbstentfremdung und darum als wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewußt und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordene  Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d.h. menschlichen Menschen. Dieser Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus = Humanismus, als vollendeter Humanismus = Naturalismus, er ist die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen, die wahre Auflösung des Streits zwischen Existenz und Wesen, zwischen Vergegenständlichung und Selbstbestätigung, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Individuum und Gattung. Er ist das Aufgelöste Rätsel der Geschichte und weiß sich als diese Lösung.“ (Karl Marx, Ökonomisch-philosophie Manuskripte, MEW Band 40, S.536 „Privateigentum und Kommunismus“, Paris 1944)

Montag, 19. September 2016

Dienstag, 2. August 2016

Epilog



Kitzelnde Sonnenstrahlen lagen auf den Blüten und Gräsern und auf Friis und Julés, als sie eng zusammengekuschelt neben dem im Sonnenlicht schimmernden Marmorbrunnen aufwachten. Blinzelnd richteten sie sich auf und sahen sich um. Und was sie sahen, kann ich euch nun nicht mehr mit Worten beschreiben; so konnte ich für die Schönheit des Gartens, wie Julés ihn vorher gesehen oder der Waldlichtung, mit der alles anfing, die schönsten Wörter und Beschreibungen euch vorlegen und ihr euch dazu Bilder denken, oder wenn eure Fantasie – wie so oft bei Kindern, die schönsten Spiele mit euch treibt - sogar die Farben direkt vor euren Augen sehen, oder vielleicht die Gerüche der Blumen oder des Waldes riechen, als währet ihr Kopf über in die Geschichte hereingefallen. Doch alle Worte, die ich kenne, alle Metaphern und Vergleiche, die mir einfallen, würden nicht ausreichen um das Paradies zu beschreiben, wie es aussah, als Friis und Julés aufwachten. Floré hatte, wie er die beiden neben der Hecken liegen sah, sie zu dem Brunnen gebracht, sie versorgt und war am nächsten Morgen, als beide noch schliefen, davon überzeugt seit dem Tod Sysé’s zum ersten Mal das Richtige getan zu haben, aus den Bogenbaum heraus und von dem Garten fort gegangen, um ihm für immer den Rücken zu kehren. Und als die beiden noch in tiefsten Träumen versunken und mit Florés Aufbrechen alleine in dem Paradies lagen, wuchs inmitten des Marmorbrunnens erneut eine blaue Rose, wie sie nirgendwo in der Welt zu finden war.
Friis und Julés standen blinzelnd und versucht all die Schönheit mit einem Mal in sich zu verschlingen auf und liefen bald Händchen haltend und staunend sich gegenseitig ihre Geschichten erzählend durch das Paradies und ihr neues Zuhause. Während am Horizont schon die ersten Menschen schlängelnden Pfaden entlang ihren Weg  zu dem Garten beschritten, ganz vorne Friis Großeltern und Julés Vater zusammen mit Wanderern, Familien, Kindern, Verliebten, Traurigen, Hungrigen, Armen und Reichen, blieben Friis und Julés vor dem Brunnen stehen, Friis schaute auf die blaue Rose und freute sich, hier zu sein mit Julés - Julés schaute in den Himmel einem Falken hinterher, der gerade über die Rosenhecken des Paradieses in Richtung Freiheit flog und eine Träne kullerte Julés Wange herunter.