Samstag, 28. Juni 2014

Du spürst...

Noch ein Schluck. Du spürst den Alkohol durch deine schnell pulsierenden Adern rasen. Noch ein Zug. Deine Lunge zieht sich zusammen. Will nicht mehr loslassen. Pocht leise wieder auf. Herz Rasen.

Vor zwei Stunden lagst du noch, deine wässrig blauen Augen in der Spiegelung der kleinen Glasscherbe betrachtend auf deinem Bett. Vor vier noch lachend telefonierend auf einer Wiese.

Jetzt spürst du den kalten Asphalt, als der nächste Schluck dich auf den Boden wirft. Du drohst dich zu verlieren. Deine Flasche fliegt durch die Luft, durchbricht unter klirrendem Donner die Scheibe des alten Gebäudes, ihr roter Inhalt zerfließt über die scharfen Glaskanten. Du kriechst ihr hinterher, deine Hände schmerzen - du weißt nicht wirklich wieso - legst dich hin. Schließt deine Augen. Setzt zum letzten Zug an. Dein Kopf kippt und die Bilder vor deinen Augen verschwimmen in schwarzer Dunkelheit

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Dienstag, 10. Juni 2014

Nach Brecht

"Freilich dreht das Rad sich immer weiter"

Wir Menschen denken nicht mehr,
wir lassen uns lenken.
Wir schauen in den Himmel und denken,
er wird uns schon mit Glück beschenken.

Und "Freilich dreht das Rad sich immer weiter,
dass was oben ist nicht oben bleibt"

Doch ich sage Schluss damit!
Ich mach was mir gefällt,
ich brauch kein Geld,
ich geh den Weg, den ich mir wähl -
Doch mein Weg ist versperrt:

"Da kam mit einem Mal ein Kommisar einher,
der hatte einen Gummiknüppel dabei
und zerklopft dem Mann seinen Hinterkopf zu Brei"

Und dann sage ich nichts mehr.
Nichts mehr über Gott und die Welt,
über das mehr und den Himmel,
sondern liege tot da.
Denn so handelt die Politik in ihrer Not, klar:
Wenn ein Schuss fällt,
fallen viele zurück.

und: "Über allen Wipfeln ist Ruh,
in den Gipfeln spürst du
kaum einen Hauch"

Und so bleibt es dann auch,
jeder macht nur noch, was er darf,
jeder arbeitet brav,
und die dort oben stopfen sich den Bauch

"Doch für das Wasser unten heißt das leider
nur: das es das Rad halt ewig treibt"